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Archiv für Februar 2012

Kassensturz

Fortsetzung von Freu Dich nicht zu spät! (Kapitel 1), Abstelltraum (Kapitel 2), Strebergarten (Kapitel 3) und Wortgeflecht (Kapitel 4)

An einem dunklen und lausigen Abend sitze ich mit unserer Geldkassette in unserer kleinen Küchennische. Heute ist ein besonders schwarzer Freitag. Keine Menschenseele hat sich in unseren Laden verirrt, den wir vor etwa drei Wochen eröffnet haben. Ich stecke den Schlüssel ins Schloss und drehe ihn um. Im Dunklen kullern ein paar Silberlinge herum und eine Handvoll Kupfer hockt um einen kleinen gefalteten Zettel. Sonst nix. Ich nehme ihn heraus und falte ihn auf. In seiner krakeligen Schrift hat Murat etwas notiert, das jede Grundschuh (!)- Referendarin zum freiwilligen Exil im analphabetischen Neustrelitz getrieben hätte. Ich rufe ihn kurzerhand an. Irgendwo in Istanbul geht einer dran. Ich höre gutturales Geschnatter und ein rasselndes Dönermesser. “Murat”, schreie ich gegen einen Flachbildschirm an, der im Hintergrund die türkischen Top40 plärrt, “bist du das?” Es rappelt furchtbar und röchelt wie eine Klospülung in der Sommerdürre. Eine Frauenstimme ruft seinen Namen rüber zum europäischen Teil der Stadt. “Efendim?”, kräht es durch die Leitung. Dann ist der Draht still. Entnervt schleudere ich den Telefonknochen auf den Tisch, knülle den Zettel und versenke ihn mit einem gekonnten Drei- Punkte- Wurf in der Rundablage. Ich mache mir ein Efes- Bier auf, das einzige Gesöff, das ich in diesem Imbiss hier finde. Herb rinnt es meinen Bosporus hinunter und bringt im Marmarameer eine griechische Thunfischflotte auf, die verbittert Gegenwehr leistet. Kaum haben sich die Wellen ein wenig geglättet, stoße ich kräftig ins Nebelhorn. Der tranige Nachgeschmack lässt mich schwindeln. Rudernd suche ich Halt an der dämlichen Rattangarderobe, die uns Murats Eltern stolz zur Einweihung geschenkt haben. Wie ein angeschlagener Boxer umklammere ich das gebeizte Peddigrohrmöbel und taumele damit ungelenk hin und her. Das Kilo schwere magische Auge an der goldenen Panzerkette, das darin baumelt und uns vor bösen Blicken und Wasserrohrbrüchen schützen soll, gerät in hektische Rotation und trifft mich hart an der Schläfe. Mein rechtes Auge schwillt ohne Nachzudenken spontan zu und ich pralle mit dem Schädel auf den Glastisch. Der Krümelsauger poltert herum und starrt giftig auf die Unordnung. Hyperventilierend schnappe ich nach Luft. Unbeeindruckt und erbarmungslos zählt mich die Schwarzwälder Kuckucksuhr über der Tür an, erst das Piepsen der Eieruhr bewahrt mich in letzter Sekunde vor dem endgültigen Knockout. Noch benommen stemme ich mich in der zweiten Runde empor und greife nach dem Henkel der Geldkassette. Blind vor Schmerz verpasse ich erst dem Korbgeflecht einen schnellen Jab und schließlich dem Meisterwerk taiwanischer Uhrmacherei einen tödlichen Uppercut. Der Kleiderständer sackt in sich zusammen wie ein Osterfeuer und der heimische Vogel piepst ein letztes Mal, ehe er im dichten Qualm erstickt.
Ich gönne mir einen weiteren Schluck Efes, schüttele mich und drücke die Wahlwiederholungstaste. Aus der Küchenschublade klingelt irgendein Asi- Rapper mit abgebrochener Baumschule vom Typ Sido, Bushido oder wie die Hackfressen heißen. Ich habe Murat schon tausend Mal erklärt, dass er sich damit in den falschen Gegenden jede Menge Ärger einhandeln kann, wenn sein Handy klingelt und er es nicht dabei hat. Wie will er mich dann anrufen, damit ich ihn aus der Scheiße wieder raushole? Soweit denkt der Muselmann wieder einmal nicht und jetzt haben wir den Salat. Es sieht hier aus wie Hulle, er hat Kehrwoche, treibt sich rum und ich muss zusehen, wie ich den Laden über Wasser halte.

Wie geht es weiter? Das erfahrt ihr hier!

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Herr Nackt

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Frau Nackt

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Herr Busch

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Frau Busch

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Immer wieder Murmeltiertag

Ich wache durchgeschlafen auf. Es ist sechs Uhr. Der Radiowecker spielt ein Lied von Herbert Grönemeyer, der nichts mehr sehen kann, der arme Sack. Ich kann ihn nicht mehr hören und schmeiße den Brüllwürfel ins winterliche Lipperland. Raus aus den Federn. Ich suche meinen zweiten Socken und stolpere über den Wäschekorb ins Bad. Es ist saukalt da draußen. Es ist jeden Tag saukalt. Und nicht nur da. Irgendein Schlumpf hat über Nacht das Fenster offen gelassen und jetzt toben dort die Eisheiligen. Das Thermometer zeigt minus 12 Grad. Der Blasenschmerz lässt mich alle Vorsicht vergessen und ich setze mich auf die tiefgefrorene Sanitärkeramik. Mein Schrei weckt die Kinder. Die Klopapierrolle ist alle und ich muss mit wehender Banane zur Vorratskammer hüpfen. Bei der Gelegenheit schalte ich schon mal die Kaffeemaschine an. Kalkgeschwächt röchelt sie wie Helmut Schmidt auf dem Sterbebett. Wo sind wir hier? In Miami Beach? Am Küchenfenster blühen Eisblumen, im Kühlschrank gluckert nur ein homöopathischer Rest Milch und die Marmelade ist schimmelig. Schnaubend schlage ich die Tür wieder zu, es klirrt und poltert darin. Ich setzte mich, blättere bei einer trockenen Scheibe Brot durch die aufgeweichte Zeitung. Das Telefon im Flur klingelt, ich springe auf und stoße mich an der offen stehenden Geschirrspülmaschine. Der Handwerker, der die kaputte Heizung reparieren will, sagt ab, er sei erkältet.

Die erste Tasse Muckefuck ist durchgelaufen, als ich zur Arbeit losfahren muss. Und später müsst ihr mit reichlich Verkehrsstörungen rechnen, naja, weil wir, weil wir so einen Schneesturm kriegen. Und ich stehe mitten drin. Ein brennender Tulpenlaster blockiert den einen Fahrstreifen und gefrierendes Löschwasser den zweiten. Gegen Mittag komme endlich ich an, in der Kantine ist das Zigeunerschnitzel mit Pommes ausverkauft, es gibt nur noch vegetarische Pilzpfanne.

Am Abend fährt der Rechner kurz vor Ende der Auktion eines Karmann Ghia überhitzt herunter und der DVD-Player spielt die selbstgebrannte Silberscheibe mit heruntergeladenen Blockbustern nicht ab. Auf dem Weg zu meiner Freundin rutsche ich mit dem Auto gegen eine Biotonne und die Liebes- SMS schicke ich in der Hektik an die falsche Nummer. Die verhärmte Klassenlehrerin meines Sohnes bestellt daraufhin das Aufgebot.

Aber die große Frage, die heute jeder auf den Lippen hat:

Wie war der Sex? Reden wir nicht drüber. Morgen schaue ich mir die Drombuschs mit der unvergessenen Witta Pohl an.

Denn heute ist: MURMELTIERTAG!!!

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Reblogged from Quergefönt: Über eine schier endlose Landstraße fuhr ich durch dichten Nebel. Ich suchte nach Lichtpunkten in der Dunkelheit, doch selbst die Scheinwerferkegel meines Autos wurden nach etwa zwei Metern unbarmherzig wie von einem riesigen, schwarzen Maul verschluckt. Die Tankanzeige war schon lange im zweiten Untergeschoss angekommen und blinkte hektisch. Die Chance, lebend gefunden [...]

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