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Posts Tagged ‘Brötchen’

Dahamwadensalat

Manchmal, da sprudelt es nur so aus mir heraus. Da kann ich meine Klappe nicht halten und erzähle von kleinen Dingen oder großen Gefühlen. Von den Mohnkörnern auf dem Brötchen oder von dem Blick durchs Schlüsselloch ins elterliche Schlafzimmer.
Dann manchmal bricht mein Rede- und Gedankenschwall plötzlich tagelang ab. Regungslos verharren die Worte in meinem Kopf und Schreibimpulse spielen Beamten- Mikado. Mir fällt einfach nichts Neues ein, wie unserer Bundeskanzlerin.

Ich könnte saufen oder kiffen, das soll ganz gut sein, habe ich mal gehört. Aber wahrscheinlich werde ich am Hauptbahnhof schon bei dem Versuch, Schnupftabak zu kaufen, verhaftet oder bekomme für den Fuffi doch nur wieder Brühwürfel angedreht. Vor lauter Verzweiflung würde ich die sogar rauchen.

Die Idee gefällt mir. Dann hätte ich etwas zu schreiben, wenn ich es überlebe.
Am anderen Morgen könnte ich aus dem Halbjenseits berichten, wie ich dem Sensenmann ins Auge geschaut und gesagt habe: “Den Rasen hinterm Haus zuerst!”

Vielleicht aber werde ich auch Mitglied bei der CDU, ich habe mich noch nicht entschieden.

Ob ich nun dem Tod oder der Merkel ins Angesicht schaue, ist ja wurscht.

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Manchmal da bin ich müde und kann einfach nicht einschlafen. Mir geistern dann noch laut rasselnd Gespenster des Tages durch den Kopf. Warum der Bofrostmann keine frischen Brötchen hat. Oder warum der Postbote Pfingsten nicht kommt. Ob der sich vielleicht mit dem lästigen Tiefkühlfahrer zusammen im Stadtpark bei einem kleinen Wippermann eins ins Fäustchen lacht? Ha, ich habe es schon immer gewusst! Denen werde ich es zeigen! Kurzerhand gehe ich zum Schuppen und hole mein Fahrrad. “Wo willst du noch so spät hin?”, ruft mir eine Stimme nach. “Brötchen holen”, schnaufe ich. “Aber es ist zwei Uhr morgens?!” “Ich habe Hunger”, grantle ich und mache mich auf den Weg.
Wie ein Glühwürmchen funzelt mein Vorderlicht durch die schwarze Finsternis, ohne einen Schatten zu werfen. Es ist bitterkalt, die Eulen sind längst Schlafen gegangen und haben sich warm zugedeckt. Doch Wut kennt keine Angst, obwohl sie Brüder sind. Ich scheiße auf Familie und trampele weiter. Endlich biege ich um die letzte Kurve. In dichten Nebel gehüllt liegt die städtische Hundescheißfläche jetzt vor mir, gefährlich und unbezwingbar wie der Marianengraben. Ich halte an, mein Glühwürmchen stirbt. Die Stille ist hörbar in meinem Kopf und frage ich mich, ob ich nicht manchmal übertreibe. Jede Nacht stehe ich hier und lasse mich fressen von meinen Gedanken. Von Zweifeln und Sorgen. Von Gram und Groll. Von Mut und Matsch.
Vielleicht hätte es ein Glas Rotwein auch getan. Oder auch zwei. Da muss ich mal drüber nachdenken.

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Kaffee Hag

So dann und wann, quasi gelegentlich, also eigentlich manchmal, da packt mich die Unzufriedenheit wie der Kaufhausdetektiv den Ladendieb einfach so am Schlafittchen. Ich versuche dann noch, mich los zu reißen, boxe und trete gegen den unsichtbaren Feind. Der hingegen nimmt mich umso fester an die Kandare.
Mürrisch knurrt mich schon der Morgen gleich nach dem Aufstehen an, ich belle zurück. Statt eines warmen Brötchens serviert er mir einen harten Knust (= Brotendstück, anderswo auch Knäppchen genannt oder schlicht Kanten), der Kaffee ist ungesüßt, lauwarm, dünn und obendrein noch entkoffeiniert. Nichts für Liebhaber aufrüttelnder Herzrhythmusstörungen oder anregenden Bluthochdrucks.
Aber ich will nicht klagen. Mir geht das ganze Gejammere auch so was von auf die Nerven. Überall nur unzufriedene Ladendiebe. Und dann ist das Geschrei plötzlich groß, sie wollte ja gar nicht wirklich, sie hätten nur vergessen, an der Kasse zu bezahlen! Ich kann das nicht mehr hören.
Ich habe deswegen auch mit meinem Bewährungshelfer darüber gesprochen, ob er mich nicht endlich wegsperren kann, so viel Freiheit, frische Luft und Sonnenschein, das macht mich depressiv!

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Habichdoch!

Fortsetzung von Hautnah (Kapitel 1), Space Invaders (Kapitel 2), Verkorkt (Kapitel 3), Strafzimmer (Kapitel 4), Schnurlos (Kapitel 5), Murmeltier und Sehnsucht (Kapitel 6), Holzklasse (Kapitel 7), Zurück in die Zukunft (Kapitel 8), Sucht und Ordnung (Kapitel 9), Hättichmal (Kapitel 10), Nie wieder zweite Liga! (Kapitel 11), Traumfahrer (Kapitel 12), Hitzeschwelle (Kapitel 13) und Erfischend (Kapitel 14)

Das Tageslicht hatte noch längst nicht seine volle Reife erreicht, als ich erwachte. Frühstück gab es erst in zwei Stunden. Also beschloss ich, ein wenig durch die kleinen Straßen zu schlendern. Seit zwei Wochen trat ich das erste Mal wieder vors Haus und sog die faule Morgenluft Meter tief ein. Ich bog nach links in Richtung Kanal und Hebebrücke, die Carlotta und mich zum Greifen nah zerrissen hat. Auf meinem Weg begegneten mir nur ein paar Hunde, die auf die Straße kackten. Unauffällig ihre standen ihre Herrchen an der nächsten Ecke, rauchten und schauten sich auf ihrem Iphone Internet- Pornos an. In der Nähe des alten Hafenbeckens, der Darsena, ging ich einem immer dichter werdenden Strom entgegen. Alte Frauen mit knöchernen Bastkörben und weißhaarige Stockgreise mit angehängten Plastiktüten schlurften schweren Schrittes umher. Hinter einem Torbogen tat sich auf einmal ein idyllisch gelegenes Plätzchen mit einem kleinen Markt vor mir auf. Emsig und lautstark bot ein bunter Haufen Heuchler und Händler seine Waren feil. Der Maronenröster predigte neben der würzigen Käsefrau, der Obst- und Gemüsepflücker wetterte zwischen Wurst, Eiern und Blumen. Der triste Bäcker tauschte grade am Klamottenstand Brötchen gegen ein Sixpack Socken und gegenüber lockte ein süßes Marmeladenmädchen. Das eingelegte Gemüse schwieg und lauschte staunend dem tätowierten Rattengesicht, das Mikrofasertücher und Fenstergummis anpries. Jeden Meter auf diesem Einkaufsmoloch mischte Merkur ein anderes traumatisches Wahrnehmungs- und Erlebnisdrama aus der Palette der Farben von Rembrandt bis van Gogh mit Geruchssequenzen von fäkal bis floristisch.
Vor einem Metzgerwagen blieb ich stehen. Abgerissene Extremitäten verendeter Huf- und Klauentiere, gefleckter Wiederkäuer und rosiger Allesfresser baumelten an Arm dicken Tauen links und rechts hinter einem grobschlächtigen und dumpf blickenden Borg. Seine Schürze war Blut verschmiert wie nach einer Kreuzigung. Hinter der beschlagenen Auslage tobte grade eine Schlacht zwischen einem Fliegengeschwader und einer einzelnen Mücke, die verzweifelt hinter einer Motorradhelm großen Schüssel mit Sexual- und Sinnesorganen unklarer Genese Deckung vor dem nächsten Angriff suchte. Auf stumpfen Blechschalen stapelten sich Felddecken große Fleischfahnen in unterschiedlichen Eiterfarben. Angewidert brummte ich „Igitt“ in mich hinein, „was ist das denn?“ „Das ist Trippa“, sagte Carlotta, die wie aus heiterem Himmel neben mir stand, ich blickte in ein Lächeln, zart wie eine junge Rose, „ein Vormagen der Kuh, eine Spezialität der Region“. Sie nahm meine Hand und ließ sie nicht wieder los, “komm, ich lad’ Dich zum Essen ein!” “Was gibt es denn?”, fragte ich. “Cozze alla tarantina!”

ENDE

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Traumfahrer

Fortsetzung von Hautnah (Kapitel 1), Space Invaders (Kapitel 2), Verkorkt (Kapitel 3), Strafzimmer (Kapitel 4), Schnurlos (Kapitel 5), Murmeltier und Sehnsucht (Kapitel 6), Holzklasse (Kapitel 7), Zurück in die Zukunft (Kapitel 8), Sucht und Ordnung (Kapitel 9), Hättichmal (Kapitel 10) und Nie wieder zweite Liga! (Kapitel 11)

Kurz nach Sonnenaufgang stemmte ich mich klebrig aus meiner Kajüte, mein erster Blick fiel auf mein Handy: Keine Nachricht, kein Anruf und keine Kontakte! Es schien, als habe mein Zeitsalto rückwärts nicht nur mein Handy resettet und alles gelöscht, sondern auch das von Carlotta. Wackelig taumelte ich in meine Shorts, mein lädierter Fuß schmerzte immer noch vom Sturz über meinen Rucksack. Die Ärzte meinten, ich sollte mich schonen, damit der Knochen heilen könne und nicht steif verwachse. Vorsichtig humpelte ich die steile Treppe hinunter zum Frühstückraum. Unten erwartete mich ein karges Buffet wie in einer schwäbischen WG: Brötchen, Marmelade, Caffè. Fertig. Aus. Ich packte mir brummig zwei Weißmehlkugeln und sieben Pröbchen Sauerkirschkonfitüre auf einen Teller, griff mir die Corriere della sera vom Vortag von der Theke und setzte mich an einen freien Tisch am Fenster. Tief stach ich das Messer in das hohle Weizenmausoleum, teilte es, füllte es Rand hoch mit dem klebrigen Wespenlockstoff und biss hinein. Ein dicker Spritzer Fruchtmus stürzte herab und traf Carlotta, die mich aus dem Kulturteil anblickte. Erschrocken hustete ich den Teigling wieder hoch und wischte ihr den roten Kleckshut beiseite. “Ausstellungseröffnung” überflog ich den Artikel hektisch, schüttete mir den lauen und übersüßten Caffè in den Ösophagus, schnappte nach der Zeitung und stürzte auf die Straße.
Draußen war ein Sommer, wie ich ihn noch nie erlebt hatte, nicht in Mailand, nicht in Bielefeld oder irgendeiner anderen Metropole. Trotz der Frühe waren Stehplätze im Schatten bereits ausverkauft, das Blau des Himmels geschmolzen, ich blickte einfach hindurch in die explodierende Sonne. Die Hitze war unerträglich. Im Kanal blubberte das Wasser, Tauben gingen zu Fuß, weil die Luft zu dünn zum Fliegen war. Der Asphalt auf den Straßen war weich wie eine Ritter Sport Zartbitter im Handschuhfach eines Fiat Ritmo. Teerpappe tropfte in langen Fäden von den Dächern und erschlug einen Fahrradkurier. Ich versuchte, mir mit einer Markisenkurbel sein Velo zu angeln, sank dabei aber selbst ein wie in frischer Hundewurst. Fluchend schmiss ich das glühende Brandeisen in den Kanal. Tür um Tür kämpfte ich mich voran, drückte mich eng an die Hausmauern, turnte über überbackene Nagetiere und tänzelte über Lavaschollen, aber dieser Schmelzofen erstreckte sich endlos und unbarmherzig vor mir wie eine Wüste. Mein Liquor begann zu kochen, ich stolperte und schlug breitseits in die lodernde Pfanne. Erst am Abend schälte mich ein Wasserwerfer der Carabinieri wieder heraus. Frittiert und labbrig schleppte ich mich zurück in meine Pension, trug dickschichtig Speisequark und Olivenöl auf meinen Leib auf, wickelte mich in Aluminiumfolie und schaltete den Fernseher ein. Alle privaten Kanäle brachten Sondersendungen über die größte Hitzewelle Norditaliens seit der Erstausstrahlung von Sex in the city: Auf dem Grund des ausgetrockneten Lago Maggiore tauchte das Bernsteinzimmer auf. In einer Dringlichkeitssitzung beschloss Silvio Berlusconi, es im Palazzo Grazioli, seinem Wohnhaus in Rom, wieder aufzubauen. Der schmierige Breitkopfaal grinste mich in Full HD an, Arm in Arm mit einer schlanken Brünetten. Wahrscheinlich eine Medienreferentin im Praktikum, kurz vor ihrer mündlichen Abschlussprüfung. Dann verlas er seinen 2- Punkte- Plan zur Bewältigung der Klimakatastrophe:
1.) Ab sofort darf Trinkwasser nur noch schluckweise verzehrt werden, und
2.) Auf den Verkauf von Reservekanistern, Fässern und Eimern wird eine Sondersteuer erhoben.
Noch ehe der Staubsaugervertreter mit dem Charme einer Filtertüte die Auflösung des Parlaments, sowie die Privatisierung aller öffentlichen Sendeanstalten und Verlage verkünden konnte, schaltete ich auf um. MilanoArte berichtete von einer Künstlerin, die aus Kutteln und Schmelzkäse eine lebensgroße Plastik des Ministerpräsidenten und selbsternannten Nachtclubpapstes gefertigt hat und nun eifrig in ihrem Heimatdorf im kühleren Süden an der Umsetzung des Vatikans im Maßstab 1:32 arbeitete. Die Kamera schwenkte auf eine Sägemühle, neben der Tür stand eine mir gut vertraute Bank. Zoom auf Carlotta, ein Reporter fragte sie aus dem Off, wie sie zu diesem außergewöhnlichen Material gekommen sei. Plötzlich begann das Bild zu flackern, die Stimmen rissen ab und klangen blechern. Dunkelheit legte sich über die ganze Stadt, der Strom kroch in seine unterirdischen Höhlen zurück.

Fortsetzung bitte! Hier!

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Manchmal weiß ich nicht, was ich noch machen soll. Ich tue schon mein bestes, aber das reicht bisweilen einfach nicht. Ach, wie soll ich das erklären?! Also, es gibt Arbeit und es gibt Freizeit. Beide unterscheiden sich in vielen Punkten von einander. Arbeit hält mich von meiner Freizeit ab. Arbeit ist ein ewig gleicher Trott, ein Murmeltiertag, eine Zeitschleife, in der nichts anderes passiert, als die vergangenen Jahre auch. Hochgerechnet schon tausendsechshundert Mal bin ich den selben verschissenen Weg zum Büro schon gefahren. Baustellen im frühen Planfeststellungsverfahren bremsen mich auf die Geschwindigkeit einer Wanderdüne herab. Seit der Mondlandung soll dieser Teil der Autobahn ausgebaut werden. Eine greise Fledermaus und zwei Grottenolme haben hier bisher erfolgreich verhindert, was in Stuttgart nicht gelingt. Auf der Einfädelspur zieht feixend ein Gurkenlaster an mir vorbei und drängelt sich vor mich. Ich schlage aufs Lenkrad, hupe gestikulierend und quetsche mich ohne zu blinken auf den verengten Fahrstreifen zwischen schwarze Limousinen mit LED- Tagfahrlicht und silbernen Buchstaben-Nummern-Koordinaten auf dem Heck. Im zähen Stop and Go geht es voran, Küblböck hat mir immer ein paar Meter voraus. Dann muss ich abfahren. Auf der Abbiegespur gebe ich Gas, versuche noch gleichzuziehen und dem Bazi den längsten Finger zu zeigen, als ich abrupt abbremsen muss, weil ein Bofrostlaster ausschert. Nur Idioten auf der Straße und bei der Arbeit geht es mit Idioten weiter. Lauter Verrückte, ohne Lust und Motivation. Dummheit hat mehr Doppelkonsonanten als sie IQ besitzen und Diät mehr Vokale als ihr BMI beträgt! Aber Schuld haben immer die anderen! Wie mir das Gejammer aus den Ohren heraus hängt!

In meiner Freizeit denke ich so etwas nicht. Da möchte ich den warmen Wind hauchen spüren, das Meer rauschen hören und die salzige Luft schmecken. Ich möchte in das Backfischbrötchen beißen und mir das T-Shirt mit Remoulade bekleckern. Da möchte ich in Weidenkörben nach Muscheln kramen, mir einen Kescher kaufen und schwarze Möwen vor der Sonne zählen. Ich ziehe mir die Schuhe aus und laufe barfuß am Strand entlang und springe über Wellen. Und erst, wenn die Nacht von unten durch den Horizont bricht, falle ich mit Sand in den Haaren und schmutzigen Füßen ins Bett.

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Das wollte ich schon länger mal machen: Eine Geschichte schreiben, in der alle meine Schlagwörter (“Tag-Links”, siehe am rechten Rand) mindestens einmal vorkommen. Ich probiere es mal alphabetisch!

Es ist Heiligabend. Soeben öffne ich das letzte Törchen vom Adventskalender. Was ist das denn? Ich traue meinen Augen nicht: Ein kleines Schokoladenauto. Und wer steigt grade aus? Der Bofrostmann! Wo will der denn so spät hin? Will der etwa noch Tiefkühl- Brötchen ausliefern? Wo denn? Hier in dieser unwirtlichen Gegend, mitten am Deich? Hier gehen die Eier zu Ende, die Frauen spielen Fußball und Haare wachsen am Horizont! Was in aller Welt hat der hier verloren? Leise schleiche ich ihm nach. Das gespenstische Licht des Mondes verzerrt die Schatten der Hühner im Garten von Kapitän Ahab zu einer Karawane Fleisch fressender Saurier. Plötzlich bleibt der Bofrostmann stehen und blickt sich misstrauisch um. Ich zucke zusammen. Hat er mich gesehen? Dämonisch sieht er aus, als würde er Kinder fressen. Ich fürchte um mein Leben, als er einige Schritte auf mein Versteck zugeht. Sein eisiger Atem stirbt in der klirrenden Kälte, kaum dass er sein Maul verlässt. “Ich bin ein Mann” , denke ich, “zum Sterben ist jetzt keine Zeit!” und laufe weg. Meine Schritte hallen in der Dunkelheit wie die Schläge des Belzebubs zum Altweiberfasching auf dem glühenden Amboss. Atemlos renne ich zum Meer. “Heiliges Murmeltier, steh mir bei”, schreie ich. Der graue Riese schmeißt unbarmherzig seine kalten Arme nach mir und spült Muscheln um meine Füße. Unsichtbare Möwen schreien durch die Nacht. Meine Nase saugt den salzigen Odem des Todes ein, in den Ohren knistert es nach zertretenem Playmobil. Das Radio in meinem Kopf spielt Julis “Woanders zu Hause”. Dann ist plötzlich Ruhe. Kognitiver Stromausfall. Unendliche Stille. Das Meer schweigt, als habe Neptun Mittagsschlaf verordnet und drohe jedem, der dieses Gesetz missachtet, mit einer Einzelstunde Eurythmie. Mit meinen Zehen presse ich den Sand in meinen Schuhen immer wieder zusammen, bis sich ein kleiner Damm darin bildet. Die Welt um mich herum ist stumm, wie in der Schule beim Englisch- Unterricht, mucksmäuschen still. Selbst die Segel eines trüben, vorüberziehenden Seelenverkäufers halten sich an das unausgesprochene Redeverbot. Ich fröstle.
Mit lautem Getöse poltert die Brandung Ruptus artig wieder los, glitschig wie Seife prescht sie mir ihre klamme Gischt ins Antlitz. Ich muss spucken und kneife die Augen zusammen. Als ich sie wieder öffne, brennt die Sonne, obwohl es eben noch stockfinster war. Bis zu den Knien eingegraben stehe ich am Strand, es ist heller Tag. Hinter mir entdecke ich eine schimmernde Tür. Das Wasser frisst gierig ihren Rahmen und drückt an die Buhnen.

Das Leben ist wie die Flut an Weihnachten” , denke ich, “was die Welle nicht reißt, das reißt der Wichtel!”
In der Tür drehe ich mich noch einmal um und blicke ein letztes Mal zum Ende der Welt. Der Wind bläst mir ins Gesicht, das hält die Windschutzscheibe nicht.

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