Novemberluft

Kalte Novemberluft schlug ihr entgegen, als sie vors Haus trat. Die Sonne blinzelte gold-rot durch das dünne Laubkleid der Bäume. Sie blinzelte zurück. Morgens hockte der Frost schon auf den Autoscheiben und aus den Nasen und Mündern stieg Drachenqualm empor. Das Gesicht zu einer Grimmasse verzogen, versuchte sie, ihre Brille zu beschlagen oder Rauchringe zu pusten.

In der Tristesse des Novembergraus sah sie aus wie ein Farbkaleidoskop: Kirschrote, kniehohe Lederstiefel, eine laubgrüne Wollstrumpfhose, einen kürbisorangenen Cord-Minirock, einen pfaublauen Pullover, einen zitronengelben Samtmantel und eine pflaumenviolette Strickmütze mit Pompons.

Ihre kleine Wohnung hatte sie herbstlich dekoriert: An der Tür baumelte ein Jutedrachen, Zierkürbisse lagen in einem Weidenkorb auf der Friesenbank daneben und auf den Treppenabsätzen standen Getreidegarben. Kleinen Holzwichteln, Elfchen und Zapfenigeln hatte sie aus Kastanien, Bucheckern und trockenem Laub auf dem Fenstersims in der Küche ein heimeliges Winterquartier geschaffen.

Neulich war es noch Sommer!

Dies ist mein Beitrag zu Donna’s Schreibprojekt.

8 Gedanken zu “Novemberluft

  1. pampashase 14. November 2009 / 15:15

    Solch lebende „Farbtupfer“ könnte es in dieser Grau-in-Grau-Jahreszeit ruhig viel mehr geben…dass würde es mir sehr erleichtern, durch den Winter zu kommen…

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  2. Donna 14. November 2009 / 18:27

    Da ist dir ja eine regenbogenfarbige Momentaufnahme gelungen!

    Danke, dass du teilgenommen hast am Schreibprojekt!

    LG – Donna

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  3. chinomso 15. November 2009 / 13:14

    Und bald ist wieder Sommer. Bis dahin treibt sie es bunt.

    Klasse Geschichte. Man sieht die Frau direkt vor sich.

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  4. spini 15. November 2009 / 19:45

    Diese Farbexplosion erinnert an Flower-Power-Zeiten *g*
    Schön, kurz und bündig geschrieben.
    Lieben Gruß
    spini

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  5. Isabelle 16. November 2009 / 18:24

    Eine bunte und kreative Dame mit Dekorationswut. Eine gute Methode, um durch den Herbst-Winter zu kommen.

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  6. Elke (Mainzauber) 17. November 2009 / 18:47

    Grossartig! Ich kann mir deine Protagonistin richtig gut vorstellen und finde sie ausgesprochen sympathisch. Der letzte Satz: Neulich war es noch Sommer! stört mich ein bisschen, er kommt so unvermittelt. Andererseits – vielleicht ist er das Tüpfelchen auf dem „i“. Da ist so viel Leichtigkeit und Lebenslust in dieser kleinen Geschichte – einfach schön!
    Lieben Gruß
    Elke

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  7. wildgans 18. November 2009 / 14:31

    oooooooch, schade, ich hätte deine farb- und sicher auch lebenslustige protagonistin gerne näher kennen gelernt. na, dann denk ich mir selbst was aus…
    gruß von sonia

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    • murmeltiertag 18. November 2009 / 17:48

      Ich auch. Sie hat mir in diesem grauen November viel Mut gemacht. Aber du darfst sie gerne „weiterstricken“

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