Amtsärztin

Manchmal reite ich den Wahnsinn. Dann und wann falle ich auch herunter. Wenn ich mir dann dabei einen Zacken aus der Krone breche, könnt‘ ich wahnsinnig werden.

Es wird mal wieder Zeit.
Wie bei dieser dicken, osteuropäischen Amtsärztin bei der Schuluntersuchung.

Ich stelle mir das Szenario so vor: Tschernobyl 1986. Es knallt und pufft. Im Kühlschrank ist es hell, selbst wenn es dunkel ist. Hühner legen harte Eier. Tomaten wachsen auf die doppelte Größe von Kürbissen heran. Das Publikum der Live- Ausstrahlung von Wetten, dass … in Warschau wird evakuiert. In der DDR-Botschaftsschule in Moskau durchdringt die Strahlung alle Unterrichtsräume und sämtliche Lehrmaterialien werden dabei vernichtet. Ein kleines Mädchen, schon damals mit 12 Jahren nur 1,20 m groß und plump wie die Transsib, versteckt sich unter einem löchrigen MICHAIL- Schreibtisch, um etwa 25 Jahre später im Gesundheitsamt einer kleinen westfälischen Stadt ausgerechnet am Tag vor dem Fußball- Derby gegen ein katholisches Domdorf eine Schuleingangsuntersuchung vorzunehmen.

Der Untersuchungsraum gleicht bis aufs Haar jener Abhörzentrale in der Nähe der Metro- Station Jugo-Sapadnaja: Dem Bild des Möwenschisses auf dem Cortex Cerebri von Gorbatschow hinter opakem Glas, der Karte der DDR- Reichsgrenzen mit dem Anschluss nach Polen, dem Ankündigungsplakat des Moskauer Staatszirkusses mit Oleg Popov und dem Stadtplan mit dem Kreml und dem Roten Platz. Lediglich in einer kleinen Nische hinter einer Zobel- Pelzjacke aus Familienbesitz hängt das eigene Medizin- Diplom in beglaubigter Übersetzung und zeugt von dem Übergang zur Aufklärung.

Mit haarigen Unterarmen überreicht sie dem Kind eine eingerissene Blaupause mit dem Geruch von angereichertem Uran und fragt ihn: „Was verrab-rreicht die Frrrau demm Jun-gän?“ (Anmerkung d. A.: Sie füttert ihn mit Möhren!).

PS: Stumm wie ein treuer Staatsbürger blieb der Proband und wurde trotzdem eingeschult. Na sdorowje!

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5 Gedanken zu “Amtsärztin

  1. Himmelhoch 12. April 2010 / 21:41

    Mit weniger Zacken in der Krone ist man windschlüpfriger und schneller und das Reiten macht mehr Spaß!

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  2. murmeltiertag 13. April 2010 / 19:14

    @ Herr Teddy: KM vier- sieben (keramisch vollverblendete Krone rechter unterer mittlerer Mahlzahn). Muss am Freitag hin.

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  3. skryptoria 16. April 2010 / 14:43

    Das ist immer noch besser, als nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben. Es hat Gründe, dass ich meine ca. 300 Kaffeebecher überwiegend in Regalen verstaue. Dann stellt sich die Frage des Schranks gar nicht erst.

    Meine Kronen haben einen Sprung. Das ist auch nicht viel lustiger. Aber immerhin ist es nicht der Wahnsinn! ;o)

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