Du bist nicht mehr mein Freund!

Fortsetzung von Der Jever- Mann (Kapitel 1) und Faltiger Autist (Kapitel 2)

Kapitel 3

Der Sturm schmeißt Standkörbe und drückt dicke Kinder die Rutsche wieder hoch. Er treibt die Gischt des Meeres noch kilometerweit übers Land auf die Gleitsichtgläser alter Frauen im Straßencafé. Volleyballnetze stehen steif im Wind wie schwer gefüllte Reusen, Klaffmuscheln graben sich tiefer in den Sand. Ein losgerissener Drache scheucht Thalasso- Wanderer vor sich her und sprengt schließlich eine Gruppe Qigong- Tänzer im Dünengras auseinander. Es ist oberhammerscheiß Wetter und heute ist Strandfest.

Ich will da nicht hin. Um 14 Uhr macht der Laden auf, in dem ich gestern die coolen Bionicles gesehen habe. Papas Geld hat nicht mehr gereicht und er hat mir versprochen, da heute mit uns wieder hinzugehen. Jetzt ist 11 Uhr und ich setze mich demonstrativ vor die Eingangstür. Ich will da warten, ich will nicht an den Strand. Da ist es doof, das weiß ich jetzt schon. Papa nimmt die Tupperdose mit dem Brezel und den Fruchttiger aus dem Rucksack, stellt es mir vor die Füße, damit ich nicht verhungere und geht. Mein Bruder, der Verräter, läuft mit. „Ich bin nicht mehr dein Freund“, brülle ich ihm hinterher und trete mit den Füßen die Flasche weg. Als die beiden um die Ecke sind, hole ich sie mir schnell wieder, das ist mein ganzer Vorrat. Nach zehn Minuten sind die Brezel und der Fruchttiger alle und mit einem Malstein schreibe ich meinen Namen auf die Treppe vorm Geschäft. Dann sause ich hinterher. Die beiden Doofen sitzen am alten Rettungskreuzer auf einer Bank und lecken Eis. Noch bevor ich wieder los krähen kann, fragt mich Papa, ob ich auch eins möchte. Stolz gehe ich mit einem grünen Becher und einer Kugel Delfino- Eis mit zum Strand. Da ist es picke packe voll. Piratenkinder und Seeräubereltern lotsen Boote durch gefährliche Untiefen und an Monster- Riffen vorbei. Sie schießen mit Korken- Kanonen und pumpen Wasser aus dem Schiff. Sie überstehen die Pest und Skorbut, verlieren dabei alle Zähne und ein Bein. Sie jagen die Ratten von Bord und heben auf einer einsamen Insel einen großen Schatz. In der Kombüse gibt es Pökelfleisch und faules Wasser. Der Sturm hat sich gelegt.

Wo liegt denn eigentlich Taka-Tuka-Land? Hier!

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