Wir lieben die Stürme

Fortsetzung von Der Jever- Mann (Kapitel 1), Faltiger Autist (Kapitel 2), Du bist nicht mehr mein Freund! (Kapitel 3), Zauberpuste (Kapitel 4) und Die Augen gucken mit (Kapitel 5)

Kapitel 6 (ursprünglicher Beitrag vom 16.02.2010. Ich war so frei, ihn zu verschieben!)

„Matschpatsch“ macht es immer wieder. Ich greife mit den Händen in das trübe Wasserloch, das ich mit einem kleinen Deich vom Meer abgetrennt habe. Die Schippe habe ich gegen den Plattmacher getauscht, klopfe damit die Mauern fest. Auf einer Seite habe ich so viel Sand heraus gebuddelt, dass ein richtiger Berg entstanden ist. Aus beiden Fäusten lasse ich die Matschepampe von weit oben darauf fallen. Es sieht aus, als hätte ein ganzer Möwenschwarm nur auf diesen einen Fleck geschissen und ich sehe aus wie ein paniertes Schnitzel. Ich weiß schon selbst nicht mehr, ob ich überhaupt eine Badehose anhabe.
Ich beauftrage meinen Bruder aufzupassen, so lange ich Muscheln suche. Papa hat mir erklärt, dass da, wo viel kleines schwarzes Holz an den Strand gespült wird, ich auch Bernsteine und Haifischzähne finden kann. Ich marschiere los, sammle Krebspanzer, Seesterne und kräftige Herzmuscheln zum Kämpfen. Mein Eimer ist bald randvoll. Ich schmeiße tote Quallen zurück ins Meer und laufe weiter. Endlich habe ich eine Stelle gefunden. Erst bohre ich mit dem Bockermann in dem Prütt herum, dann schiebe ich ihn mit dem ganzen Fuß hin und her. Schließlich lasse ich mich auf die Knie fallen und siebe mit den Händen. Alles, was gelb oder honigfarben ist, lecke ich ab. Harz schmeckt man doch! Ich finde ein altes Gummibärchen, eine geschliffene Glasscherbe und einen Feuerstein, sogar ein noch eingepacktes Campino- Bonbon. Es ist weich und salzig. Plötzlich scheucht mich eine große Welle auf und schmeißt meinen Eimer um. Erschrocken greife ich nach dem Henkel. Meine Schätze flüchten dabei mit dem rückfließenden Wasser: Bernsteine so groß wie Kiesel und Haifischzähne so scharf wie Säbel!

ENDE

5 Gedanken zu “Wir lieben die Stürme

  1. eliterator 16. Februar 2010 / 22:25

    Oh mann, da kriegt man wieder richtig Lust auf den Sommerurlaub an der See!

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  2. Bea 17. Februar 2010 / 11:59

    Ja, das macht Lust auf Meer.
    Bis vor einem Jahr habe ich in Westerland gewohnt, gleich hinter ´ner Düne und jetzt sind es für mich bis zur Ostsee auch nur ein paar Minuten, aber das Gefühl, das Dein Beitrag auslöst, ist mir in den letzten Jahren irgendwie abhanden gekommen. Jetzt ist es wieder da. Danke schön 🙂

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  3. murmeltiertag 17. Februar 2010 / 17:06

    Ja, vielleicht weißt du dann auch, wie groß die Seensucht (!) sein kann. Ich muss dafür Stunden lang ins Auto steigen, um am Meer die Beine baumeln und die Seele hängen lassen zu können.

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  4. Bea 17. Februar 2010 / 17:09

    Ich glaube, ich bin manchmal ganz schön undankbar.
    Auf Sylt habe ich jahrelang rumgejammert, weil mir der Wald so fehlte. Mir kann mans einfach nicht recht machen. 😉

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