Ostreise

Ich war ein paar Tage im Osten. Da, wo der Mehlwurm verhungert und der Spatz tot vom Ast plumpst. Da, wo der Regen nach kaltem Kaffee- Ersatz riecht und der Schnee schon grau vom Himmel fällt. Da, wo Aluminiumfolie im Keller zu Geld geprägt wird und Gurken im Schatten der Datsche Oberschenkel groß heranwachsen. Da, wo ich nicht tot übern Zaun hängen möchte.

Da, wo ein Auto klingt wie die Singer- Nähmaschine meiner Mutter, die sie 1954 von dort mitgebracht hat.

Dort, wo ich 1974 von Mandy meinen ersten Kuss bekommen habe, als wir Tante Dörthe in Plau besucht haben. Wo die Schokolade knusperte und die Kola lebte. Wo City mit „Am Fenster“ einen Evergreen für Jahrhunderte geschaffen hat und meine Hand das erste Mal unter eine Bluse wanderte.

Dort, wo die Brötchen heute noch Schrippen heißen, Hühnchen Broiler und Frikadellen Buletten.

Dort ist die Welt noch in Ordnung.

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Ein Gedanke zu “Ostreise

  1. Herr Teddy 7. Januar 2011 / 09:56

    Mann, bist du alt! 🙂
    Und nur gegrillte Hühnchen heißen Broiler, muss ich oberlehrerhaft anmerken. Kommt kurioserweise aus dem Amerikanischen.

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