Beamtenklo

Ich habe Vorurteile. Viele. Ich pflege sie sogar und suche immer wieder ihre Bestätigung. Mir ist es egal, dass ich dabei pauschalisiere und sicher den einen oder anderen redlichen Randgruppenbetreuer verunglimpfe. Das macht mir nichts. Ich bin Provokateur. So schimpfe ich liebend gerne über Schiedsrichter, Lehrer, Frauen oder Friseure. Nichts von dem, was ich schreibe, ist wirklich nur erdacht. Vieles entspricht auch der Wahrheit, oder es hätte so geschehen können. Also ist es so gut wie wahr, wenn es denn geschehen wäre. Vielleicht hat sich das Theodor voll und immer zu auch gedacht, nur im umgekehrten Sinne: Wenn ich nicht schreibe, dass ich abschreibe, dann ist es doch alles meins, oder?

Es begab sich aber zu der Zeit im Jahre 01974, dass eine gewisse V. Leandros  mit einem Lied die Hitparaden stürmte. Der Text kam mir schon damals seltsam bekannt vor, weil mich meine Mutter schon Jahre zuvor sonntags um 15.30 Uhr so zu wecken pflegte:

Steh auf Du faules Murmeltier
Bevor ich die Geduld verlier

So entstand auch der Begriff „Murmeltiertag“, der seitdem bis heute jedes Jahr am 2. Februar in Amerika als Kulturereignis („Groundhog Day“) gefeiert wird.

Sie hat mir diese Zeilen sogar einmal auf ein Zettelchen geschrieben, als ich mit meiner Schwester mit dem Zug zur Kinderkur nach Wangerooge fuhr. Auf der Rückseite spielten wir Stadt – Land – Fluss. Es stand unentschieden und in der letzten Runde zählte ich leise bis „L“, als sie „Stop“ sagte. Ich weiß es noch wie heute, es ist wie das erste Mal, das vergisst man auch nicht. Wir hatten um einen ganzen Leckerschmecker gewettet und mit „Lodz“ holte ich den alles entscheidenden Punkt. Unter ihren Tränen und Gebrüll aß ich alles auf einmal und übergab mich in einer winzigen schaukelnden Toilette. Die Fliegen suchten das Weite. Beim Spülen fiel mir mein Zettel durch das dunkle Loch auf die darunter hinweg eilenden Schienen.

Und da stellen sich mir jetzt ein paar heikle Fragen:

1. Was wäre, wenn nicht Vicky diesen Zettel damals dort gefunden hätte, sondern Theodor?

2. Was hätte Vicky besungen, wenn nicht ich, sondern meine Schwester den letzten Punkt ergattert hätte und sie zu einem anderen Ergebnis als ich („Lodz“) dabei gekommen wäre? Leopoldshöhe? Oder wenn ich nicht bei „L“, sondern bei „M“ aufgehört hätte zu zählen? Milse?

3. Und letztendlich: Wo hat Theodor seine Doktorarbeit gefunden? Auf dem Beamtenklo?

Ah, ich vergaß, die Quellenangabe für den Titel zu meinem Artikel zu nennen:

G. Oogle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.