In Saus und Braus

Die Nacht ist schwarz wie die fensterlose Besenkammer eines Mohres. Selbst der Mond hat sich aus Furcht verkrochen. Mich hat er hier vergessen, der feige Wichtel. Ich schaue mich um, ohne Orientierung wohin und wie oft ich mich schon im Kreis gedreht habe. Zweimal? Dreimal? Plötzlich höre ich das gierige Summen einer Mücke. Mit ihren Infrarotaugen hat sie sicher längst den leckersten Landeplatz auf meiner nackten Haut ausgemacht, während ich hier dumm mit den Armen herum wedele, als versuchte ich, einen Güterzug zum Stoppen zu bringen, weil ich mit dem Auto auf den Schienen liegen geblieben bin. Dann plötzlich schweigt die kalte Dunkelheit wie eine Adventgemeinde bei der Karfreitagsandacht. Meine  Bewegungen erstarren zu einem meditativen Tai Chi- Bild, bei dem der ehrwürdigen Altmeister Yáng Chéngfǔ Pate gestanden haben könnte. Mit voller Wucht und flacher Hand patsche ich mir auf mein rechtes Ohr. Der Güterzug leitet eine Notbremsung ein und pfeift dabei so laut, dass ich das leise Summen der Mücke nicht mehr höre.

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