Der Fisch stinkt vom Kopf her

Dieses ist eine Geschichte mit den 45 TAGS (Schlagwörter) meines treuen Lesers, Herrn Teddy. TAGS sind Wörter, die in  Geschichten und Artikeln am häufigsten auftauchen und in einer sogenannten Cloud („Schlagwortwolke“, bei mir heißt es „Tag-Links“) das Navigieren nach Themen oder Begriffen erleichtern sollen.

Herr Teddy hatte Berlin einfach satt. Das ganze Politikgeschwafel hing ihm einfach zum Hals raus. Da machte keine Partei eine Ausnahme, weder die CDU, die SPD noch die Piratenpartei. Das Demokratieverständnis dieser ganzen Eierköpfe und Promotionslügner glich einem verlogenen Fortsetzungsroman von Dieter Bohlen’s „Nichts als die Wahrheit“. So beschloss Herr Teddy, der Hauptstadt den Rücken zu kehren und landete über Umwege im beschaulichen Dörfchen Trebbin unweit von Potsdam. Hier gingen die Tiere zum Grasen auf die Weide und zum Scheißen hinters Haus. Hier war das Überleben noch echtes Abenteuer, ohne Auto, ohne Bahn und ohne Verkehr. Hier spielte der Kornwulf abends auf seiner Schalmei, Franzl Fuchs und Regenwurm tanzten zu seiner Musik und Ritter Wollhelm erzählte Mo, dem Friseur, Geschichten von früher über Trabants, die endlich nach zehn Jahren Wartezeit rostig ausgeliefert wurden. Herr Teddy vergaß schnell seine Sorgen, er dachte nicht mehr an all das, was ihn in Berlin so gestört hatte. Hier fühlte er sich frei, ohne Überwachung und ohne die Gesellschaft all jener, die für ein Foto auf der Titelseite der Berliner Morgenpost oder für eine Sondersendung nach den Morgennews dem Tod im Gegenzug für eine gewonnene Wahl den Koalitionspartner und den eigenen Parteivorsitzenden opfern würden. Er schloss die Augen. Kinder tollten im Hintergrund, ein Tag, wie der erste des Sommers ging zu Ende. Wieder daheim in seiner kleinen Kate setze er sich ans Internet vor seinen Computer, öffnete seinen Blog und überlegte. Er wusste nicht genau, wohin ihn sein weiterer Weg treiben würde, zu einer einzelnen Kurzgeschichte, einem Kinderbuch oder gar einem ganzen Roman. Er spürte nur wieder diesen unwiderstehlichen Drang zu schreiben. Er kam viel zu selten dazu, fand er. Meistens fraß ihn sein neuer Job beim Dorfblättchen doch auf. Abends war er dann viel zu müde oder die Kinder noch nicht im Bett. So blieben ihm im Monat nur wenige Stunden, bei einem guten Song und einem Glas Rotwein seiner heimlichen Leidenschaft zu frönen. Schon seit über einem Monat hatte er nichts Aktuelles veröffentlicht. Ihm fehlte die Lust und die Zeit dazu im Allgemeinen. Doch heute Abend war es zu einem unerwartetem Intermedium gekommen: Auf YouTube sah er in einem Video eine Statistik, das es in Brandenburg prozentual mehr Querulanten als in Sachsen gibt. „Wie sehr diese alte Redewendung doch stimmt“, dachte Herr Teddy und lehnte sich zufrieden zurück.

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2 Gedanken zu “Der Fisch stinkt vom Kopf her

  1. Herr Teddy 17. Juni 2011 / 09:21

    *kopfumdreh* Wo ist die Kamera?
    Das stimmt ja (fast) alles – entweder weil es schon Realität ist oder weil es ein schöner Traum meinerseits wäre. Sehr schön! Mal sehen ob ich mich revanchieren kann. 🙂

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