Space Invaders

Fortsetzung von Hautnah

Am nächsten Morgen rumpelte es laut in meinem Kopf. Draußen vorm Fenster wurden Stämme abgeladen und schlugen dumpf an einander. Eine schwere Kiste mit Eisenbeschlägen kippte vom Laster, zerbrach und verteilte klöternd ihren Inhalt auf dem ganzen Hof. Haarige Männerstimmen fluchten und zischten altlateinische Vulgärvokabeln.

Ich riss die Augen auf. Fliegende Fäden attackierten mich wie die Space Invaders. Sie wurden immer schneller und kamen näher. Ich lag starr im Bett, konnte mich nicht regen. Zuerst eroberten sie meine Zunge, dann meine Zähne und schließlich verfilzten sie meinen gesamten Mundraum. Instinktiv hielt ich die Luft an, um den Verwesungsgestank der Gefallenen nicht einatmen zu müssen. Mordor war eine Parfümerie dagegen. Schnappatmend rannte ich nach einer Viertelminute zum Fenster, schwallartig erbrach ich mich eine Viertelstunde lang davor. Ein rotes Ufo traf mich und ich sackte zusammen. Blut lief mir aus den Augen, mein rechter Arm hing baumelnd über dem Fensterbrett. Dann fiel ich in den Schlaf zurück.

Als ich aufwachte, blinzelte bereits der Abend im Auenland. Mein Schädel brummte wie der von Mario Basler nach der Nacht der legendären 1:2 Niederlage im Champions League-Finale 1999 gegen Manchester United. Ächzend schüttelte ich mir den Staub aus den Haaren und ging zur Tür. Die Luft war klar und rein, wie nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Ich drehte mir eine Zigarette und pumpte die Teergase mit hohem Druck bis in die Alveolen, wo sie zu einem Gerinnsel verklumpten, das mich plötzlich und unerwartet mit 103 Jahren jäh aus dem Leben reißen wird. Ich war 46 und ließ es mir schmecken. Eben, als ich mich umdrehte, um wieder ins Haus zu gehen, entdeckte ich auf der Bank neben der Tür einen Korb. Rotkäppchen hatte ihn schön abgedeckt mit einem rotkariertem Geschirrtuch. Ich nahm es hoch, wischte mir damit die Tabakkrümel vom Mund und schaute in das Weidengeflecht. Mein Hunger starrte auf Oliven, Schafskäse, eine luftgetrocknete Salami und eine Flasche Chianti. Mein Herz stolperte über eine Hand geschriebene Karte: Danke für den wunderschönen Abend. C

PS: Diese Geschichte setzt sich hier fort

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.