Verkorkt

Fortsetzung von Hautnah (Kapitel 1) und Space Invaders (Kapitel 2)

Baff stand ich da und grübelte. Ich versuchte, mich an besagten Abend zu erinnern, aber meine Synapsen waren noch verkorkt. Sie ließen keinen Gedanken an irgendetwas, das vor heute lag, zu. So sehr ich mich auch anstrengte, es war nur ein hohles Pfeifen und Sausen da, als bliese der Sensenmann sein Willkommenslied auf der Schalmei. Mir wurde heiß, Schweiß tropfte von meiner faltigen Stirn und verwischte die Tinte auf der Karte. Suchend bohrte sich mein Blick hindurch und fand auf der Rückseite ein abgedrucktes Rezept der Trippa. Ich würgte sofort, spuckte ein paar warme Brocken aus und rannte zum Haus, hielt aber schon auf halbem Weg an der Magnolie an und düngte sie reichlich. Sie sah schon ganz verkümmert aus. Mit einem Kanonenschlag flog mein Hirnkorken in den weiten Kosmos, eine Raumfähre musste ein riskantes Ausweichmanöver einleiten. Der gestrige Abend war wieder lebendig, Carlottas Lachen klang in meinen Ohren nach. Plötzlich schlängelten sich Scheinwerfer den Weg zu meiner Mühle hoch. Das wandernde Licht schleuderte meinen Schatten an die Hauswand. Panik breitete sich aus. Ich angelte einbeinig nach meinem Schlappen, schlug die Tür hinter mir zu und starrte in den Spiegel. Rauchen und Fleisch fressen bestrafte Gott an mir sichtbar doppelt, der Suff tat sein Übriges. Dann parkte draußen ein Auto, kurze Zeit später klopfte es. Ich gefror und merkte, dass überall im Haus das Licht brannte. Eine plausible Ausrede schien so fern wie Arminia Bielefeld vom Wiederaufstieg und so wartete ich darauf, dass der böse Wolf meine Strohhütte einfach um pustete. Es klopfte noch einmal. Ich hielt die Luft an, bis die Venen hervortraten. Eine Bande hinterhältiger Mücken nutzte meine Wehrlosigkeit schamlos aus. Ich wünschte mich auf die Autobahn in ein Stauende und dass ein Betonlaster hinein rast, mich zerkrümelt und meinen Organspendeausweis hinfällig macht. Eine zarte Stimme rief meinen Namen, dann knirschte es, Schritte entfernten sich, ein Motor sprang an und verschwand in der Dunkelheit. Fauchend atmete ich aus, mir war speiübel. Ich schleppte mich zu meinem Bett und wälzte mich unruhig hin und her. Der Mond war bleich und stumm, die Stille drückend.

Die Geschichte setzt sich hier fort

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.