Strafzimmer

Fortsetzung von Hautnah (Kapitel 1) und Space Invaders (Kapitel 2) und Verkorkt (Kapitel 3)

Da lag ich nun, was auch immer ich mir eingefangen hatte, es war stärker als ich. Es gab Momente, da schaffte ich es wenigstens aufzustehen, ein Glas Wasser zu trinken und abzuführen. Dann wieder packte mich die kalte Pest und fesselte mich Stunden lang ans Bett. Manchmal wusste ich nicht, ob Tag oder Nacht war und wie lange ich schon hier in diesem Strafzimmer verbrachte. Vielleicht flohen gar schon die Ratten ob meines Anblickes panisch unter meiner Türe hindurch und erreichten das Dorf eben zur Abendmesse in der heiligen St. Pius- Kirche. Padre Giuseppe schwenkte grade ein letztes Mal das Weihrauchfass, als der modernde und beißende Gestank wie in einer römischen Latrine das Segnen überflüssig machte. Der Papst schickte entsetzt seine besten Exorzisten auf den Weg und betete täglich auf dem Petersplatz. Die bleichen Toten und Rattenkadaver wurden in den nahe gelegenen Fluss geworfen, von wo aus sie durch die Strömung wieder zu meiner Mühle geschwemmt wurden und dort am frisch renovierten Wasserrad eine natürliche Staumauer bildeten. Der Pegel stieg innerhalb kürzester Zeit um das Hundertfache, riss das ganze Dorf mit sich, löste in Japan einen Tsunami aus, zerstörte ein marodes Atomkraftwerk und ließ die Welt trudeln. Selbst die sture Bundesregierung um einen Hosenanzug aus der Uckermark sprang auf den verspäteten und überhitzten Zug der Deutschen Bundesbahn, schwor, schon immer gegen Atomkraft gewesen zu sein und gab Sarrazin die ganze Schuld. Die Nato und der Warschauer Pakt brachten ihre Marschflugkörper in Stellung. Und als wäre das alles nicht schlimm genug, probten Dieter Bohlen und David Hasselhoff gemeinsam als D’n’D für meine Trauerfeier. Eine Cover- Version des Songs sollte 2004 als der „Holzmichl“ die deutschen Charts erobern.

Wenn schon tot, dachte ich, dann bevor die beiden auf Welttournee gehen. Ich plünderte das geflochtene Lunchpaket von Carlotta, biss völlig unterfettet in die grobe Salami, stocherte den Korken in die Flasche, leerte sie in zwei Hieben und rauchte die gierige Glut im Bett.

Die Geschichte setzt sich hier fort

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