Bärenhände

Die erste Geschichte von Opa Slavko hatte mich angefixt. Das wusste ich selbst noch gar nicht, als ich die Schreibaufgabe bekam, ein verlassenes Haus in einer beliebigen Jahreszeit „mit allen fünf Sinnen“ zu schildern. Vielleicht ist mir das nicht gelungen, aber dieser kleine Text hat mir viel Spaß gemacht. Er wird sicher in den nächsten Wochen zu einer (Kurz-) Geschichte wachsen.

Das alte Haus am Ende der Straße stand seit vielen Jahren leer. Im Laufe seines Lebens hatte es viele Menschen und Schicksale kommen und gehen gesehen. Jetzt lag es im Sterben.
Der Regen prasselte hart auf das löchrige Dach. Das Wasser stürzte über die zerbeulten Rinnen und grub tiefe Löcher in den eh schon aufgeweichten Boden unter den Fenstern. Die morschen Läden hingen schief in den Angeln und verdeckten nur mühsam den Blick durch die zersplitterten Scheiben in das stockdunkele Innere. Die Türen zum Hof und zur Straße waren zugemauert, braune Brühe floss unter den Steinen hervor. Der Wind riss krachend an den Konzertplakaten, die mosaikartig die ganze Fassadenfront bedeckten. Aber es spielte schon lange keine Band mehr oder aber niemand mehr wagte sich hierher, seit es hieß, Opa Slavko habe hinter den feuchten Mauern mit seinen Bärenhänden den Teufel höchstpersönlich erwürgt.
Es war kalt und dieser Winter würde der letzte werden für das alte Haus am Rande der Stadt.

Weitere Geschichten von Opa Slavko gibt es hier , hier und hier.
Sie beschreiben kleinen Szenen, die noch nicht in einen Erzählrahmen eingebettet sind, also keine zeitliche oder dramaturgische Reihenfolge zu einander haben.

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