Das Leben ist kein Ponyhof

Als ich noch ein kleiner Junge war, wollte ich Feuerwehrmann werden. Doch als irgendwann einmal unser Esszimmertisch durch meine Schuld brannte, haben mir meine Eltern verboten, auch nur in die Nähe einer Flamme zu gehen. Ebenso befanden sie, Zinnsoldat sei nichts für mich. Schließlich müsse ich dabei den ganzen Tag stillstehen und das könne ich keine fünf Minuten, ich sei ein Hans Dampf in allen Gassen. Aber Eisenbahnfahrer fand ich wiederum doof, da kann man ja nicht lenken.
So entschied ich mich dann eben, König zu werden und den Kies auf dem Garagendach zu harken. „Kies regiert die Welt“, sagte mein Papa immer. Wie so oft, kam es wieder einmal anders, denn er erwischte mich, dachte augenscheinlich an seinen Esszimmertisch und nahm mir die Krone und die Harke einfach weg. Ich solle lieber für die Schule lernen. Mich interessierten aber die längsten Flüsse und Primzahlen überhaupt nicht, ich fand dafür Anke prima und ihre langen Haare. Sie wohnte in einem von den Reihenhäusern gegenüber und gingen in die gleiche Klasse. Schon morgens schrieb ich ihr Zettelchen, zählte Gänseblümchenblätter ab und berechnete aus den gemeinsamen Vokalen unserer Vornamen die Wahrscheinlichkeit für unsere Hochzeit. Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass das alles Quatsch war, denn umgekehrt hätte eine Xerxes am besten zu mir gepasst, die ich gar nicht kannte, auch nicht aus der Parallelklasse.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.