Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Ende’

Weißichdochauchnicht

Manchmal da glaube ich, es wäre schön, noch einmal auszugehen und Menschen zu treffen. Doch irgendwie hält mich etwas davon ab, das zu tun. Die Zeit schleicht dahin und ich treffe keine Entscheidung, sondern warte ab, was passiert. Aber was soll geschehen? Es wird mich niemand abholen und mit vorgehaltener Waffe in die Kneipe schleifen.

Ich gucke auf die Uhr und denke mir: »Später!«

In der Zwischenzeit bummele ich herum, esse, trinke, gehe an den Rechner, höre Musik, mache die Wäsche oder schaue fern. Vielleicht rufe ich sogar jemanden an, lege dann aber schnell wieder auf oder bin irgendwie doch froh, dass keiner abhebt. Dabei möchte ich eigentlich los, drehe aber im Kopf Kurzfilme, wie der Abend wohl laufen würde. Es könnte niemand da sein, den ich kenne, es könnte ausverkauft sein oder regnen. Sicherheitshalber checke ich alle Vorhersagen und bin erleichtert, wenn ich irgendwo eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von 5% entdecke, und sei es erst in zwei Tagen und in Hessen. Nein, dann lieber nicht, dann bleibe ich besser daheim. Beim letzten Mal, und das ist keine drei Jahre her, bin ich so nass geworden, dass der Kinoabend ins Wasser gefallen ist. Nein, dass soll mir diesmal nicht passieren. Und trotzdem gibt es da diesen klitzekleinen Gedanken, es könnte ja doch schön werden und ich verpasse etwas, ich alter Stubenhocker. Morgen ist Samstag, ich hab keine Termine und Verpflichtungen und kann ausschlafen. Aber irgendwie hängt mir der Arbeitstag noch in den Knochen und ich bin so schlapp, dass ich sofort ins Bett gehen könnte.

„Ach komm, jetzt lass dich nicht so hängen“, sage ich zu mir selbst, „schlafen kannst du genug, wenn du tot bist!“

Und dann stelle ich mir dieses aufregende Gefühl vor, wenn SIE auch da ist. Wir unterhalten und so angeregt wie beim ersten Mal und fahren zusammen nach Hause. Vielleicht ist es einer der letzten warmen Tage in diesem Jahr, morgen regnet es wieder und die Chance ist vorbei. Ich weiß ja sogar, dass SIE heute Abend da ist. Wovor habe ich Angst? Genau davor, dass es nicht so wird. Dass der Zauber nur eine Illusion war und sich nicht wiederholen lässt. Und dafür soll ich jetzt noch aus dem Haus gehen? Wo kann ich denn überhaupt parken? Da ist doch sicher alles besetzt und ich muss wieder so weit laufen. Warum holt mich keiner ab? Warum ruft keiner an? Dabei hätte ich grade heute Lust. Lust auf Kribbeln im Bauch und Sex im Kopf. Dann erinnere ich mich, dass genau das meine ganz alte Falle ist. Das hat doch noch nie geklappt und spielt sich nur in meiner Phantasie ab. Am Ende schleiche ich wieder benommen und alleine nach Hause. Wie jedes Mal. Das lohnt sich nicht. Da esse ich lieber noch ein paar Chips und trinke ein Bier auf dem Sofa. Das ist spontane Bedürfnisbefriedigung und funktioniert immer, ohne Wenn und Aber. Diese Strategie hat mich noch nie im Stich gelassen, sie ist zuverlässig wie Wahlversprechen der CSU. Doch wer wählt die schon? Soll ich oder soll ich nicht? Ich kann mich nicht entscheiden.

Ich muss es auch nicht mehr, es ist Viertel vor zwölf, SIE ist sicher schon weg.

PS: Dieser Text ist rein literarischer Art, er trifft NICHT mich zu.

Advertisements

Read Full Post »

Falscher Irrtum

Das Telefon schweigt schon seit Wochen und dein Geruch in meiner Welt wird immer dünner. Ich habe solche Angst, dich eines Tages nicht mehr riechen zu können und habe mir deswegen bereits vor geraumer Zeit zwei Dutzend Gefrierbeutel damit gefüllt. Doch mit jedem Moment, den ich deine Stimme nicht höre, steigt mein Verbrauch. Mein Vorrat geht langsam zu Neige und ich atme nur noch im Viertelstundentakt. Nach meinen aktuellen Berechnungen halte ich durch bis Sonntag nachmittag, dann ist Essig und mein Säure-Basen-Haushalt kippt endgültig um.
„Aus die Maus, finito, Abstieg“, höre ich den Sensenmann schon jubeln.
Aber so einfach möchte ich ihm das nicht machen, denn erst am Ende wird die Zeche geprellt, nicht zwischendurch. Bis dahin möchte ich Gefriertüten zuknoten mit dir.

Read Full Post »

So ist das eben

Das Leben ist wie eine Kugel Eis: Am Ende bleibt nichts übrig, als das, woran man sich erinnert.

Read Full Post »

Es war einmal ein rechtschaffender Müller, der hatte drei Esel, einen Faulen, einen Frustrierten und einen Fetten. Der faule Esel blieb schon morgens einfach liegen, der Frustrierte zählte immer wieder seine grauen Haare und der Fette fraß von früh bis spät. Dennoch kümmerte sich der Müller um sie, so gut er konnte, und obwohl sie ihm nicht von Nutzen waren, verlor er nie ein böses Wort über sie.

An einem Abend aber ging der Müller noch einmal zum Stall, um den Eseln frisches Stroh und Wasser zu bringen, weil er es am Tag vor lauter Arbeit versäumt hatte. Als er vor der Türe stand, da hörte er, wie sie ihr schlechtes Leben beklagten. Ihm sei so langweilig, stöhnte der Erste. Der Zweite schimpfte, sogar die Zebras hätten Streifen und der Dritte schmatzte, das Futter mache dick. Da fasste der Müller einen Entschluss und schlich sich wieder ins Haus.

Gleich am nächsten Tag führte er die drei Graurücken ins Dorf auf den Markt. Den faulen Esel verschenkte er an einen Wanderzirkus, den frustrierten Esel tauschte er bei einem Schrankenwärter gegen ein altes Kursbuch der Deutschen Bahn und den Fetten verkaufte er dem Koch des Königs.
Zufrieden kehrte der Müller in seine Mühle zurück, mahlte ein Dutzend Säcke Korn, schaute noch einmal in den leeren Stall, lächelte und ging zu Bett.

In dieser Nacht stand der Mond schon hoch am Firmament, als die Zirkuswagen endlich stoppten und der faule Esel angeleint wurde. Seine Hufe schmerzten ihm von dem weiten Weg und er war müde. Er wollte sich schlafen legen, aber der Boden war hart und kalt, und der wilde Wind wirbelte Stock und Stein hin und her, dass es nur so krachte.
Er sehnte sich zurück in seinen Stall und dachte: “Oh je, was bin ich doch für ein dummer Esel gewesen!”

Auch der frustrierte Esel konnte nicht schlafen. Jede Stunde schnaubte ein tonnenschwerer Dampfzug an dem kleinen Bahnhäuschen vorbei. Der Kessel qualmte, die Räder ratterten, schaurige Schatten tanzten über die wackelnden Wände und dicker, dunkler Rauch fraß gierig alle Farben auf. Der Esel hustete, kniff die Augen zu und zitterte am ganzen Leib.
Er sehnte sich zurück in seinen Stall und dachte: “Oh je, was bin ich doch für ein dummer Esel gewesen!”

Dem fetten Esel erging es auch nicht besser als seinen beiden Verwandten. Der Koch hatte ihn eigentlich sofort schlachten wollen, aber der Narr des Königs band eine Möhre an einen Faden, knotete das andere Ende an seinen Schellenstab und lockte das Giermaul in den Thronsaal. Dort saß der König mit seinem Hofstaat bei einem Festmahl. Als der Esel das frische Obst und die vielen Leckereien auf den langen Tischen sah, lief ihm das Wasser im Maul zusammen und er glaubte, er sei eingeladen mitzuessen und wollte sich setzen. Aber die feine Gesellschaft verhöhnte und verspottete ihn und jagte ihn zum Tor hinaus.
Hungrig lag er nun am Teichufer, sehnte sich zurück in seinen Stall und dachte: “Oh je, was bin ich doch für ein dummer Esel gewesen!”

Das Jahr wechselte die Farben und auch der nächste Sommer kam und ging. Die große Ernte war eingefahren und der Müller hatte viel zu tun. Als endlich alles Korn gemahlen war, lud er die schweren Säcke auf seinen Karren, schnürte sich ein kleines Proviantpaket und machte sich auf die lange Reise zum Markt.

Auf halbem Wege kam er an einer Wiese vorbei. Ein Zirkus brach grade seine Zelte ab, tannengroße Männer stemmten riesige Stoffrollen auf einen Wagen, ein klitzekleiner Kerl brüllte Kommandos und bunte Vogelfrauen führten Pferde in ihre Boxen. Der Müller blinzelte gegen die Sonne und schaute dem munteren Treiben eine ganze Weile zu, als er schließlich den faulen Esel erblickte. Er lag im schmutzigen Staub und starrte in den Himmel.
Da ging der Müller zu ihm, streichelte sein Fell und sagte: “Steh auf, du alter Esel und hilf mir, ich habe viel zu tragen!”
Das Langohr tat wie ihm geheißen. Der Müller zahlte dem Zirkusdirektor den Preis, den er verlangte, spannte den faulen Esel vor den Karren, teilte seinen Proviant mit ihm und so marschierten sie los.

Es war längst Nachmittag geworden, als sie an ein kleines, verrußtes Bahnhäuschen kamen. Sie hielten an und lauschten den seltsamen Klängen aus der Ferne, als sich plötzlich scheppernd die Schranken senkten. Der Boden begann, laut zu grollen und zu grummeln und dichter Qualm hüllte sie ein. Der Müller und der faule Esel klammerten einander fest und wagten kaum zu atmen, als mit einem Mal ein Eisenross mit glühenden Augen fauchend an ihnen vorbeidonnerte. Erst nach langen, bangen Minuten war der Spuk beendet und es wurde wieder hell um sie herum. Sie schauten auf und da stand vor ihnen auf dem Weg der frustrierte Esel mit gesenktem Kopf.
Als der Müller ihn erkannte, ging er zu ihm, klopfte sein Fell sauber und sagte: “Sieh nicht alles so schwarz, du alter Esel und hilf uns, das Mehl zum Markt zu bringen.”
Das Langohr tat wie ihm geheißen. Der Müller zahlte dem Schrankenwärter den Preis, den er verlangte, stieg auf des frustrierten Esels Rücken, teilte seinen Proviant mit ihm und so trotteten sie zu dritt weiter.

Schließlich gelangten sie zum Schloss des Königs. Ihre Reise war anstrengend, der Durst plagte sie und so beschlossen sie, im Park ein wenig zu rasten und sich am Teich zu erfrischen. Als sie nun auf dem Steg saßen und verschnauften, kam mit einem Mal der fette Esel aus dem Dickicht gradewegs auf sie zugestoffelt. Er schmatzte und kaute auf einer Rübe herum. Der hölzerne Anleger bog sich bedrohlich in der Mitte durch, er knackte und knarzte, er schwankte und schaukelte, ehe er vollends entzweibrach. Der Müller und die beiden Esel konnten sich noch mit einem beherzten Sprung ans Ufer retten, der fette Esel aber platschte wie ein Komet ins Nass. Entsetzt schrie und strampelte er um sein Leben. Mit vereinten Kräften gelang es den drei Wanderern, ihn an Land zu ziehen. Japsend rang der fette Esel nach Luft und das Wasser triefte nur so aus seiner grauen Mähne. Erst jetzt erkannte er, wer ihn soeben vor dem sicheren Tod gerettet hatte.
“Guter Müller”, flehte er, “nehmt mich mit. Ich kann in diesem Schlosse nicht länger sein. Der Koch will mich schlachten und zu Salami verarbeiten, sobald ich fett genug bin!”
“Alles, was recht ist, lieber Esel”, antwortete der Müller, “der Weg ins Dorf ist nicht mehr weit. Wenn du unseren restlichen Proviant trägst, dann will ich wohl mit dem Koch reden.”
Der fette Esel jedoch schüttelte nur mit dem Kopf, “das ist mir zu schwer, das schaffe ich nicht!”
Da ging der Müller zu ihm, streichelte ihm über das Fell und sagte: “Wenn du bleibst, wie du bist, wirst du nicht werden, wie du möchtest, du sturer Esel!”

Sodann gab der Müller seinen beiden Gefährten ein Zeichen, jeder schulterte sein Gepäck und sie zogen weiter ihres Weges.

Der faule und der frustrierte Esel aber halfen dem Müller fortan, wo sie nur konnten und verloren nie wieder ein schlechtes Wort.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Read Full Post »

Bärenhände

Die erste Geschichte von Opa Slavko hatte mich angefixt. Das wusste ich selbst noch gar nicht, als ich die Schreibaufgabe bekam, ein verlassenes Haus in einer beliebigen Jahreszeit „mit allen fünf Sinnen“ zu schildern. Vielleicht ist mir das nicht gelungen, aber dieser kleine Text hat mir viel Spaß gemacht. Er wird sicher in den nächsten Wochen zu einer (Kurz-) Geschichte wachsen.

Das alte Haus am Ende der Straße stand seit vielen Jahren leer. Im Laufe seines Lebens hatte es viele Menschen und Schicksale kommen und gehen gesehen. Jetzt lag es im Sterben.
Der Regen prasselte hart auf das löchrige Dach. Das Wasser stürzte über die zerbeulten Rinnen und grub tiefe Löcher in den eh schon aufgeweichten Boden unter den Fenstern. Die morschen Läden hingen schief in den Angeln und verdeckten nur mühsam den Blick durch die zersplitterten Scheiben in das stockdunkele Innere. Die Türen zum Hof und zur Straße waren zugemauert, braune Brühe floss unter den Steinen hervor. Der Wind riss krachend an den Konzertplakaten, die mosaikartig die ganze Fassadenfront bedeckten. Aber es spielte schon lange keine Band mehr oder aber niemand mehr wagte sich hierher, seit es hieß, Opa Slavko habe hinter den feuchten Mauern mit seinen Bärenhänden den Teufel höchstpersönlich erwürgt.
Es war kalt und dieser Winter würde der letzte werden für das alte Haus am Rande der Stadt.

Weitere Geschichten von Opa Slavko gibt es hier , hier und hier.
Sie beschreiben kleinen Szenen, die noch nicht in einen Erzählrahmen eingebettet sind, also keine zeitliche oder dramaturgische Reihenfolge zu einander haben.

Read Full Post »

Strafstoß

Fortsetzung von Freu Dich nicht zu spät! (Kapitel 1), Abstelltraum (Kapitel 2), Strebergarten (Kapitel 3), Wortgeflecht (Kapitel 4), Kassensturz (Kapitel 5), Gleicheitrige (Kapitel 6), Gesichtsyoga (Kapitel 7) und Übergangsbinde (Kapitel 8)

Ich sitze in der offenen Beifahrertür und rauche, meine nackten Füße spielen mit dem Gras. Das Ticken des Warnblinkers und das Zirpen der Grillen auf den Feldern sind die einzigen Geräusche, die durch die Stille schleichen. Schon vor zwei Stunden habe ich Murat losgeschickt, von irgend woher ein paar Liter Diesel zu besorgen, damit ich noch rechtzeitig zum Sonntagsspiel zurück bin. Ich drücke die Kippe zu den anderen Knickwinkeln in den großen Porzellanascher, den ich auf das Armaturenbrett gestellt habe. Mein Blick fällt auf die Uhr, die Partie wird bald angepfiffen und Murat ist immer noch nicht wieder da. Was macht der bloß?! Der kann was erleben! Nervös drehe ich am Autoradio, Uli Zwetz berichtet bereits live. Ich brülle die Mannschaftsaufstellung mit, Spucketropfen klatschen von innen an die Windschutzscheibe. Mit zitternden Fingern fische ich die letzte Zigarette aus der Packung, zünde sie mir an, nehme einen großen Schluck aus dem Regal, hänge meinen Schal aus der Tür und singe lauthals die Hymne mit. Plötzlich schaudert es mich und ich denke an die Zeit zurück, als das Stadion noch liebevoll „Alm“ hieß, eine Bretterbude und zugleich eine Festung war und keine Glas- Arena. Der Ball war aus echtem Leder und die Bratwurst groß wie ein Unterarm. Murat und ich kickten oft mit seinem abgewetzten Tango Rosario auf der Straße, ein knarrendes Saba- Radio stand im offenen Fenster und brüllte in unregelmäßigen Abständen „Tor, Tor, Tor“. Die größte und unvergessene Legende aber geschah an einem verregneten März- Samstag, als die arroganten Krachledernen dahoam mit 4:0 untergingen. Ich stand mit Pickeln und Arbeitshandschuhen im Gartentor und habe vor Freude geweint. Vom Pfandgeld aus Opas Keller habe ich mir heimlich die nächste Eintrittskarte gekauft und stand fortan zu jedem Heimspiel auf der Tribüne, habe gejubelt und geschimpft, gestaunt und geflucht wie ein Großer. Am Ende der Saison sind wir trotzdem abgestiegen. Mich aber hatte eine Leidenschaft gepackt, die mich nicht mehr losgelassen hat. Und ausgerechnet heute geht es gegen die Unaussprechlichen aus Telgte- West. Genau deswegen sollte ich auch jetzt auf den vertrauten Betonstufen stehen und meine Mannschaft anfeuern, so lange sie noch auf Gras spielt. Es geht zwar um nix mehr, aber mein Herzblut ist immer noch blau.
Gespannt sauge ich jedes Wort auf, das aus den Boxen klingt. Die Atmosphäre schwappt zu mir herüber und ich hüpfe im Auto, weil ich kein Preuße bin, die Winkekatze überm Tacho spielt verrückt. Noch ein Schluck der schottischen Malzbrause. Der Schiri pfeift grade einen Elfmeter, als ich Murat im Rückspiegel zurückkriechen sehe. Schnell suche ich den Deutschlandfunk mit irgendeinem klassischen Kammerkonzert und ratsche mit den Fingern gelangweilt über das Lüftungsgitter.

Murat sagt kein Wort, als er einen verbeulten Blechtrichter in den Tankstutzen hängt und aus einem schwarzen Gülleeimer selbst gepresstes Rapsöl nachgießt.
„Hast du Zigaretten mit gebracht?“, frage ich giftig.
Er schießt die leere Plaste wütend aufs Feld, „nein“, knurrt er. „Was hörst du denn da eigentlich für einen Rotz?“, will er wissen, „läuft heute nicht Fußball?“
„Warum sagst du das nicht gleich“, kreische ich empört und suche einen anderen Sender. „Alles muss ich selber machen“, sage ich und zeige ihm bedauernd die Flasche, „außer fahren!“

Ich kann es nicht lassen! Hier treibt mich der nächste Wahnsinn!

Read Full Post »

Ich wache durchgeschlafen auf. Es ist sechs Uhr. Der Radiowecker spielt ein Lied von Herbert Grönemeyer, der nichts mehr sehen kann, der arme Sack. Ich kann ihn nicht mehr hören und schmeiße den Brüllwürfel ins winterliche Lipperland. Raus aus den Federn. Ich suche meinen zweiten Socken und stolpere über den Wäschekorb ins Bad. Es ist saukalt da draußen. Es ist jeden Tag saukalt. Und nicht nur da. Irgendein Schlumpf hat über Nacht das Fenster offen gelassen und jetzt toben dort die Eisheiligen. Das Thermometer zeigt minus 12 Grad. Der Blasenschmerz lässt mich alle Vorsicht vergessen und ich setze mich auf die tiefgefrorene Sanitärkeramik. Mein Schrei weckt die Kinder. Die Klopapierrolle ist alle und ich muss mit wehender Banane zur Vorratskammer hüpfen. Bei der Gelegenheit schalte ich schon mal die Kaffeemaschine an. Kalkgeschwächt röchelt sie wie Helmut Schmidt auf dem Sterbebett. Wo sind wir hier? In Miami Beach? Am Küchenfenster blühen Eisblumen, im Kühlschrank gluckert nur ein homöopathischer Rest Milch und die Marmelade ist schimmelig. Schnaubend schlage ich die Tür wieder zu, es klirrt und poltert darin. Ich setzte mich, blättere bei einer trockenen Scheibe Brot durch die aufgeweichte Zeitung. Das Telefon im Flur klingelt, ich springe auf und stoße mich an der offen stehenden Geschirrspülmaschine. Der Handwerker, der die kaputte Heizung reparieren will, sagt ab, er sei erkältet.

Die erste Tasse Muckefuck ist durchgelaufen, als ich zur Arbeit losfahren muss. Und später müsst ihr mit reichlich Verkehrsstörungen rechnen, naja, weil wir, weil wir so einen Schneesturm kriegen. Und ich stehe mitten drin. Ein brennender Tulpenlaster blockiert den einen Fahrstreifen und gefrierendes Löschwasser den zweiten. Gegen Mittag komme endlich ich an, in der Kantine ist das Zigeunerschnitzel mit Pommes ausverkauft, es gibt nur noch vegetarische Pilzpfanne.

Am Abend fährt der Rechner kurz vor Ende der Auktion eines Karmann Ghia überhitzt herunter und der DVD-Player spielt die selbstgebrannte Silberscheibe mit heruntergeladenen Blockbustern nicht ab. Auf dem Weg zu meiner Freundin rutsche ich mit dem Auto gegen eine Biotonne und die Liebes- SMS schicke ich in der Hektik an die falsche Nummer. Die verhärmte Klassenlehrerin meines Sohnes bestellt daraufhin das Aufgebot.

Aber die große Frage, die heute jeder auf den Lippen hat:

Wie war der Sex? Reden wir nicht drüber. Morgen schaue ich mir die Drombuschs mit der unvergessenen Witta Pohl an.

Denn heute ist: MURMELTIERTAG!!!

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: