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Posts Tagged ‘Frau’

Verraten und verkauft

Murat, der dümmste Bauer, den ich kenne, hat wieder mal einen dicken Fisch an der Angel. Keine Frage, was diesmal da an seinen Haken zappelt, sprengt die bis dahin gültige Zehn-Punkte-Skala für Traumfrauen und legt die Messlatte so hoch, dass selbst Lara Croft jämmerlich im Qualifying scheitern würde. Alles, wirklich alles an seiner jüngsten Eroberung setzt neue Maßstäbe: Ihre Figur ist beeindruckender als ein lupenreiner Hattrick und ihre Stimme bewegender als der Torjubel aus 20000 Kehlen.
Doch warum zum Henker hat sie ausgerechnet an Murat einen Narren gefressen? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Schon im Kindergarten sah er aus wie eine Mischung aus Averell Dalton und Michel aus Lönneberga und musste immer bei der Erzieherin am Tisch essen, damit er seinen Kopf nicht in die Suppenschüssel steckt. Später in der Grundschule rauchte er Kaugummizigaretten oder malte sich mit Filzstift einen Bart ins Gesicht, um älter auszusehen. Und auch die Pubertät hat reichlich Narben hinterlassen. Es gibt also nicht einen einzigen vernünftigen Grund, dieses Mettgesicht attraktiv zu finden, und trotzdem turteln die beiden miteinander herum, als gäbe es kein Morgen. Aber komm du mal einer Frau mit Vernunft! Eher konvertiert der Papst zum Islam!
Und ich kann nur dumm rumstehen und muss zuschauen, wie sich ihre Zungen wie zwei Nacktschnecken beim Wrestling verhaken. Mir sind einfach die Hände gebunden, seit ich letzte Woche im Dominastudio war.

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Finale

Endlich.
Das lang ersehnte ebook „Quergefönt“ gibt es hier  und die Printausgabe (ISBN-13: 978-1500368906) hier  bei amazon zu kaufen.

Ein skurriler und grotesker Roman zwischen Wahn und Witz über Freundschaft, Frauen und Fußball.

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Waswenn

Was passiert, wenn ich eines Tages berühmt bin? Halten mir junge Frauen ihre Schlüpfer zum Unterschreiben vor die Nase? Werde ich auf der Straße von wildfremden Menschen erkannt? Muss ich meine Nummer aus dem Telefonbuch streichen lassen und meinen Namen am Briefkasten überkleben? Passt das ganze Geld, das ich dann verdiene, überhaupt noch auf mein Konto oder muss ich in die Schweiz umziehen und mir Immobilien und teure Sportwagen kaufen? Bin ich öfter als einmal pro Woche zu einer Talkshow im öffentlich- rechtlichen Fernsehen geladen oder bekomme ich sogar den Deutschen Buchpreis verliehen?
Und was, wenn das alles wirklich einmal passiert?
Lass mich Arzt, ich bin durch!

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Holpersteine

Manchmal ist das Leben wie eine Tüte Konfetti, leicht und bunt. Ich freue mich darauf aufzustehen und den Tag zu entdecken und Blumen zu pflücken.
Manchmal ist das Leben aber auch wie ein alter Reisekoffer, hart und schmutzig. Voll gestopft mit schweren alten Geschichten, Erinnerungen und verstaubtem Gedöns von früher steht dieses Riesending unnütz im Weg herum und ist nur Ballast.
Manchmal stelle ich mir dann vor, was wäre, wenn ich meinen Koffer einfach mal an die Straße stelle. Ich würde mich hinter den nächsten Busch verstecken und warten, bis das Sprengkommando kommt. Dann fliegen aber die Fetzen.
Oder wenn ich ihn am Flughafen austauschen würde. Unauffällig stünde ich am Gepäckband herum und würde mir einen neuen Reisebegleiter aussuchen. Einen, der nach Abenteuer aussieht und nicht nach Wellness. Er muss Schnappriegel und Ledergurte haben, so einen, den man noch selbst tragen muss und nicht so einen selbstfahrenden Smart mit Griff oder so einen silbernen Aluminium- Castor. Ohne zu zögern oder mich umzudrehen greife ich zu und gehe damit langsam zum Taxistand. Dort suche ich mir in aller Seelenruhe einen schicken Kombi aus, bloß keinen Volvo. Ich bin ja kein Lehrer, habe keinen Hund und trage keine Cordhosen. Fahrer mit Sonnenbrillen oder Koteletten scheiden auch aus. Dann lasse ich mich zu meinem Parkplatz um die Ecke chauffieren, packe Sack und Pack um in meinen Schwedenpanzer, fahre über Umwege nach Hause, schleppe alles hoch in meine Altbauwohnung und stelle es mitten in den Flur. Erschöpft lasse ich mich in meinen Ohrensessel fallen und schließe die Augen. Scheußliche Musik ertönt, als plötzlich nackte Frauen auf mich zuspringen, mich fesseln und aufs Bett schmeißen. Ich kann gar nicht sagen, wie viele es sind, so viele sind es. Entsetzt reiße ich die Augen wieder auf, ich muss den Koffer von Dieter Bohlen erwischt haben! Panisch packe ich den Drecksack, renne zur Wohnungstür, stelle den Brüllwürfel meinem Nachbarn auf die Fußmatte, läute, renne zurück, schlage die Tür zu, schließe mich ein und schaue durch den Spion. Ich freue mich über das dumme Gesicht, pfeife „You can win, if you want“ und fahre den Rechner hoch. Mal schauen, wann der nächste Flug aus Mallorca kommt!

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Es war einmal ein rechtschaffender Müller, der hatte drei Esel, einen Faulen, einen Frustrierten und einen Fetten. Der faule Esel blieb schon morgens einfach liegen, der Frustrierte zählte immer wieder seine grauen Haare und der Fette fraß von früh bis spät. Dennoch kümmerte sich der Müller um sie, so gut er konnte, und obwohl sie ihm nicht von Nutzen waren, verlor er nie ein böses Wort über sie.

An einem Abend aber ging der Müller noch einmal zum Stall, um den Eseln frisches Stroh und Wasser zu bringen, weil er es am Tag vor lauter Arbeit versäumt hatte. Als er vor der Türe stand, da hörte er, wie sie ihr schlechtes Leben beklagten. Ihm sei so langweilig, stöhnte der Erste. Der Zweite schimpfte, sogar die Zebras hätten Streifen und der Dritte schmatzte, das Futter mache dick. Da fasste der Müller einen Entschluss und schlich sich wieder ins Haus.

Gleich am nächsten Tag führte er die drei Graurücken ins Dorf auf den Markt. Den faulen Esel verschenkte er an einen Wanderzirkus, den frustrierten Esel tauschte er bei einem Schrankenwärter gegen ein altes Kursbuch der Deutschen Bahn und den Fetten verkaufte er dem Koch des Königs.
Zufrieden kehrte der Müller in seine Mühle zurück, mahlte ein Dutzend Säcke Korn, schaute noch einmal in den leeren Stall, lächelte und ging zu Bett.

In dieser Nacht stand der Mond schon hoch am Firmament, als die Zirkuswagen endlich stoppten und der faule Esel angeleint wurde. Seine Hufe schmerzten ihm von dem weiten Weg und er war müde. Er wollte sich schlafen legen, aber der Boden war hart und kalt, und der wilde Wind wirbelte Stock und Stein hin und her, dass es nur so krachte.
Er sehnte sich zurück in seinen Stall und dachte: “Oh je, was bin ich doch für ein dummer Esel gewesen!”

Auch der frustrierte Esel konnte nicht schlafen. Jede Stunde schnaubte ein tonnenschwerer Dampfzug an dem kleinen Bahnhäuschen vorbei. Der Kessel qualmte, die Räder ratterten, schaurige Schatten tanzten über die wackelnden Wände und dicker, dunkler Rauch fraß gierig alle Farben auf. Der Esel hustete, kniff die Augen zu und zitterte am ganzen Leib.
Er sehnte sich zurück in seinen Stall und dachte: “Oh je, was bin ich doch für ein dummer Esel gewesen!”

Dem fetten Esel erging es auch nicht besser als seinen beiden Verwandten. Der Koch hatte ihn eigentlich sofort schlachten wollen, aber der Narr des Königs band eine Möhre an einen Faden, knotete das andere Ende an seinen Schellenstab und lockte das Giermaul in den Thronsaal. Dort saß der König mit seinem Hofstaat bei einem Festmahl. Als der Esel das frische Obst und die vielen Leckereien auf den langen Tischen sah, lief ihm das Wasser im Maul zusammen und er glaubte, er sei eingeladen mitzuessen und wollte sich setzen. Aber die feine Gesellschaft verhöhnte und verspottete ihn und jagte ihn zum Tor hinaus.
Hungrig lag er nun am Teichufer, sehnte sich zurück in seinen Stall und dachte: “Oh je, was bin ich doch für ein dummer Esel gewesen!”

Das Jahr wechselte die Farben und auch der nächste Sommer kam und ging. Die große Ernte war eingefahren und der Müller hatte viel zu tun. Als endlich alles Korn gemahlen war, lud er die schweren Säcke auf seinen Karren, schnürte sich ein kleines Proviantpaket und machte sich auf die lange Reise zum Markt.

Auf halbem Wege kam er an einer Wiese vorbei. Ein Zirkus brach grade seine Zelte ab, tannengroße Männer stemmten riesige Stoffrollen auf einen Wagen, ein klitzekleiner Kerl brüllte Kommandos und bunte Vogelfrauen führten Pferde in ihre Boxen. Der Müller blinzelte gegen die Sonne und schaute dem munteren Treiben eine ganze Weile zu, als er schließlich den faulen Esel erblickte. Er lag im schmutzigen Staub und starrte in den Himmel.
Da ging der Müller zu ihm, streichelte sein Fell und sagte: “Steh auf, du alter Esel und hilf mir, ich habe viel zu tragen!”
Das Langohr tat wie ihm geheißen. Der Müller zahlte dem Zirkusdirektor den Preis, den er verlangte, spannte den faulen Esel vor den Karren, teilte seinen Proviant mit ihm und so marschierten sie los.

Es war längst Nachmittag geworden, als sie an ein kleines, verrußtes Bahnhäuschen kamen. Sie hielten an und lauschten den seltsamen Klängen aus der Ferne, als sich plötzlich scheppernd die Schranken senkten. Der Boden begann, laut zu grollen und zu grummeln und dichter Qualm hüllte sie ein. Der Müller und der faule Esel klammerten einander fest und wagten kaum zu atmen, als mit einem Mal ein Eisenross mit glühenden Augen fauchend an ihnen vorbeidonnerte. Erst nach langen, bangen Minuten war der Spuk beendet und es wurde wieder hell um sie herum. Sie schauten auf und da stand vor ihnen auf dem Weg der frustrierte Esel mit gesenktem Kopf.
Als der Müller ihn erkannte, ging er zu ihm, klopfte sein Fell sauber und sagte: “Sieh nicht alles so schwarz, du alter Esel und hilf uns, das Mehl zum Markt zu bringen.”
Das Langohr tat wie ihm geheißen. Der Müller zahlte dem Schrankenwärter den Preis, den er verlangte, stieg auf des frustrierten Esels Rücken, teilte seinen Proviant mit ihm und so trotteten sie zu dritt weiter.

Schließlich gelangten sie zum Schloss des Königs. Ihre Reise war anstrengend, der Durst plagte sie und so beschlossen sie, im Park ein wenig zu rasten und sich am Teich zu erfrischen. Als sie nun auf dem Steg saßen und verschnauften, kam mit einem Mal der fette Esel aus dem Dickicht gradewegs auf sie zugestoffelt. Er schmatzte und kaute auf einer Rübe herum. Der hölzerne Anleger bog sich bedrohlich in der Mitte durch, er knackte und knarzte, er schwankte und schaukelte, ehe er vollends entzweibrach. Der Müller und die beiden Esel konnten sich noch mit einem beherzten Sprung ans Ufer retten, der fette Esel aber platschte wie ein Komet ins Nass. Entsetzt schrie und strampelte er um sein Leben. Mit vereinten Kräften gelang es den drei Wanderern, ihn an Land zu ziehen. Japsend rang der fette Esel nach Luft und das Wasser triefte nur so aus seiner grauen Mähne. Erst jetzt erkannte er, wer ihn soeben vor dem sicheren Tod gerettet hatte.
“Guter Müller”, flehte er, “nehmt mich mit. Ich kann in diesem Schlosse nicht länger sein. Der Koch will mich schlachten und zu Salami verarbeiten, sobald ich fett genug bin!”
“Alles, was recht ist, lieber Esel”, antwortete der Müller, “der Weg ins Dorf ist nicht mehr weit. Wenn du unseren restlichen Proviant trägst, dann will ich wohl mit dem Koch reden.”
Der fette Esel jedoch schüttelte nur mit dem Kopf, “das ist mir zu schwer, das schaffe ich nicht!”
Da ging der Müller zu ihm, streichelte ihm über das Fell und sagte: “Wenn du bleibst, wie du bist, wirst du nicht werden, wie du möchtest, du sturer Esel!”

Sodann gab der Müller seinen beiden Gefährten ein Zeichen, jeder schulterte sein Gepäck und sie zogen weiter ihres Weges.

Der faule und der frustrierte Esel aber halfen dem Müller fortan, wo sie nur konnten und verloren nie wieder ein schlechtes Wort.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Dialogues are a girl’s best friend

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Eine beliebte Übung in Kreativen Schreibkursen und Seminaren ist das Fortsetzen von den ersten Zeilen eines Romans. Aus den verschiedenen Vorlagen habe ich mir „Wie der Soldat das Grammophon reparierte“ von Saša Stanišić ausgesucht und die Figuren und die Handlung frei weiter entwickelt.

Opa Slavko maß meinen Kopf mit Omas Wäschestrick aus. Ich bekam einen Zauberhut, einen spitzen Zauberhut aus Kartonpapier und Opa Slavko sagte: „Eigentlich bin ich noch zu jung für so einen Quatsch und du schon zu alt.“ (Orig.)

Das verstand ich nicht, wie konnte ich zu alt und er zu jung zum Spielen sein?! Aber Opa Slavko sagte öfter Sachen, die ich nicht verstand. Zum Beispiel, dass es die beste Entscheidung war, die Oma zu erschießen. Sie war eine einfache, aber tüchtige Frau. Oben auf dem Küchenschrank hatte sie eine alte Blechdose versteckt, in der sie oft selbstgebackene Maronenkekse aufbewahrte. Sie dachte, ich käme da nicht ran, aber das stimmte nicht. Immer, wenn sie in den Keller ging, um aus dem großen Holzfass Kartoffeln zu holen, schnappte ich mir aus dem Badezimmer die wacklige Fußbank und schob sie in die Küche. Von dort kletterte ich auf den Tisch am Fenster. Einmal sah ich dabei, wie Opa Slavko die Katzenjungen fing, in einen Sack stopfte und damit hinterm Haus verschwand. Kurze Zeit später stand er mit nassen Hosenbeinen plötzlich in der Küche. Ich hockte inzwischen ganz oben auf dem Schrank und versuchte verzweifelt, den angerosteten Deckel zu lösen. Ohne ein Wort zu sagen, kam Opa auf mich zu, hob mich herunter, drehte knatschend die süße Dose auf, drückte sie mir in die Hand, nahm sich selbst einen Keks und ging ins  Schlafzimmer. Ich stopfte grade das vierte Plätzchen in den Mund, als ich die Oma die schwere Buchentreppe herauf poltern hörte. Starr vor Schreck und weiß vor Wut stand sie plötzlich in der Küchentür. Die Kartoffeln ihr polterten aus der Schürze und kullerten durch den Raum. Eine blieb direkt vor meinen Füßen liegen. Oma griff nach dem Reisigbesen, der an der Wand lehnte, und holte aus. Ich stolperte rückwärts, als Opa dazwischen trat und sagte: „Lass nur, Nada, ich habe sie ihm gegeben, er hat mir im Garten geholfen.“

So war Opa Slavko, stark wie ein Riese und jeder im Dorf zitterte vor seinem Jähzorn. Vor mich aber stellte er sich immer schützend. Auch, als ich mit dem Fußball das große Fenster in der Kirche zerschossen habe. Opa behauptete, er sei das gewesen und wenn jetzt nicht endlich Ruhe wäre, würde er noch den Beichtstuhl zertrümmern. Schließlich stünde der Winter vor der Tür und er bräuchte Holz zum Heizen. Beim nächsten Gottesdienst sammelte der Pfarrer in der Gemeinde für das neue Kapellenfenster, das im letzten Sturm zu Bruch gegangen sei. Ich gab alles, was ich hatte und das war nicht viel.

Doch eines Tages war auch Oma Nada verschwunden. Die Leute reden viel in einem kleinen Dorf.

Weitere Geschichten von Opa Slavko gibt es hier, hier und hier.
Sie beschreiben kleinen Szenen, die noch nicht in einen Erzählrahmen eingebettet sind, also keine zeitliche oder dramaturgische Reihenfolge zu einander haben.

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