Alter Zopf

Irgendwann werde ich einen Zopf tragen und einen weißen Bart. Ich lerne Pfeife rauchen und Backgammon spielen. Dann sitze ich auf der kleinen Piazza im Oleander- und Pinienschatten und erzähle mir mit den anderen Vergrauten bunte Geschichten von früher, als der Papst noch Pole war und Deutschland Fußballweltmeister. Aus den Küchenfenstern um uns herum klappert Geschirr und es duftet nach Olivenöl, Tomaten und Knoblauch. Die Spatzen in den Ästen rufen zum Essen, ich habe Hunger.

Der Riese und der Zauberer

Eine beliebte Übung in Kreativen Schreibkursen und Seminaren ist das Fortsetzen von den ersten Zeilen eines Romans. Aus den verschiedenen Vorlagen habe ich mir „Wie der Soldat das Grammophon reparierte“ von Saša Stanišić ausgesucht und die Figuren und die Handlung frei weiter entwickelt.

Opa Slavko maß meinen Kopf mit Omas Wäschestrick aus. Ich bekam einen Zauberhut, einen spitzen Zauberhut aus Kartonpapier und Opa Slavko sagte: „Eigentlich bin ich noch zu jung für so einen Quatsch und du schon zu alt.“ (Orig.)

Das verstand ich nicht, wie konnte ich zu alt und er zu jung zum Spielen sein?! Aber Opa Slavko sagte öfter Sachen, die ich nicht verstand. Zum Beispiel, dass es die beste Entscheidung war, die Oma zu erschießen. Sie war eine einfache, aber tüchtige Frau. Oben auf dem Küchenschrank hatte sie eine alte Blechdose versteckt, in der sie oft selbstgebackene Maronenkekse aufbewahrte. Sie dachte, ich käme da nicht ran, aber das stimmte nicht. Immer, wenn sie in den Keller ging, um aus dem großen Holzfass Kartoffeln zu holen, schnappte ich mir aus dem Badezimmer die wacklige Fußbank und schob sie in die Küche. Von dort kletterte ich auf den Tisch am Fenster. Einmal sah ich dabei, wie Opa Slavko die Katzenjungen fing, in einen Sack stopfte und damit hinterm Haus verschwand. Kurze Zeit später stand er mit nassen Hosenbeinen plötzlich in der Küche. Ich hockte inzwischen ganz oben auf dem Schrank und versuchte verzweifelt, den angerosteten Deckel zu lösen. Ohne ein Wort zu sagen, kam Opa auf mich zu, hob mich herunter, drehte knatschend die süße Dose auf, drückte sie mir in die Hand, nahm sich selbst einen Keks und ging ins  Schlafzimmer. Ich stopfte grade das vierte Plätzchen in den Mund, als ich die Oma die schwere Buchentreppe herauf poltern hörte. Starr vor Schreck und weiß vor Wut stand sie plötzlich in der Küchentür. Die Kartoffeln ihr polterten aus der Schürze und kullerten durch den Raum. Eine blieb direkt vor meinen Füßen liegen. Oma griff nach dem Reisigbesen, der an der Wand lehnte, und holte aus. Ich stolperte rückwärts, als Opa dazwischen trat und sagte: „Lass nur, Nada, ich habe sie ihm gegeben, er hat mir im Garten geholfen.“

So war Opa Slavko, stark wie ein Riese und jeder im Dorf zitterte vor seinem Jähzorn. Vor mich aber stellte er sich immer schützend. Auch, als ich mit dem Fußball das große Fenster in der Kirche zerschossen habe. Opa behauptete, er sei das gewesen und wenn jetzt nicht endlich Ruhe wäre, würde er noch den Beichtstuhl zertrümmern. Schließlich stünde der Winter vor der Tür und er bräuchte Holz zum Heizen. Beim nächsten Gottesdienst sammelte der Pfarrer in der Gemeinde für das neue Kapellenfenster, das im letzten Sturm zu Bruch gegangen sei. Ich gab alles, was ich hatte und das war nicht viel.

Doch eines Tages war auch Oma Nada verschwunden. Die Leute reden viel in einem kleinen Dorf.

Weitere Geschichten von Opa Slavko gibt es hier, hier und hier.
Sie beschreiben kleinen Szenen, die noch nicht in einen Erzählrahmen eingebettet sind, also keine zeitliche oder dramaturgische Reihenfolge zu einander haben.

Gesichtsyoga

Fortsetzung von Freu Dich nicht zu spät! (Kapitel 1), Abstelltraum (Kapitel 2), Strebergarten (Kapitel 3), Wortgeflecht (Kapitel 4), Kassensturz (Kapitel 5) und Gleicheitrige (Kapitel 6)

Noch am gleichen Abend stelle ich Murat meine neue Geschäftsidee vor und zeige ihm meine Notizen in der Chinakladde. Er ist sofort hellauf begeistert, meint aber, wir müssten diesmal „solider“ an die Sache herangehen. Großzügig lade ihn zu der Unternehmermesse ein, unter der Bedingung, dass er meinen Deckel bei Renzo bezahlt und den Laden auf Vordermann bringt. Schließlich hat er ja auch seine Kehrwoche nicht eingehalten. Er zieht eine Augenbraue hoch, schielt mich an wie Angela Merkel bei der Damenwahl, stimmt dann aber zu. Ein schlauer Kopf, mein Murat.
Am Samstag schließen wir das Geschäft schon mittags. An der Tankstelle kaufe ich noch ein Duftbäumchen und zwei Dosen Haake- Beck, während Murat volltankt und nach dem Öl schaut. Ich setze mich schon mal und suche im Radio die Vorberichtserstattung der Fußball- Bundesliga. Mit einer Packung Knistertabak und zwei Dosen Efes kommt Murat aus der Kassensauna zurück. Wir stoßen euphorisch auf unseren neuen Coup an und dieseln Richtung Autobahn los. Es ist stickig und die Fensterkurbeln drehen an beiden Türen einfach durch. Murat schwitzt hinterm Steuer, als sei Biblis A kurz vor der Endabschaltung doch noch geschmolzen. Ich biege den Ventilator ein Stück weiter zu mir. Den letzten Kilometer geht es nur noch Meterweise vorwärts, frustrierte Coffee to go- Becher säumen die Straße. Endlich rücken wir auf Platz Eins der Karawane der Parkwilligen vor, als Murat plötzlich seine Mokassins hart auf die Bremse haut. Der Wagen nickt tief vor einem Männchen in Warnweste und Sicherheitsschuhen ein, das Arm wedelnd vor unserem schnaubenden Kühlergrill steht. Ich pralle mit dem Kopf an die rotierende Windmaschine, die mir eine tiefe Blitznarbe in die Stirn schneidet und stoße einen unverzeihlichen Fluch aus. Grüne Lichtblitze sirren umher, prallen aber an der massiven Karosserie unseres Rapids ab. Der selbstständige Parkplatzeinweiser taumelt, tritt dann bleich an die Seitenscheibe und will schon einmal 5€ kassieren. Ich klopfe mein Testsieger- Shirt ab, zucke mit den Schultern und schaue Murat an. Er pflückt einen klammen Schein aus seiner Hosentasche, öffnet die Tür einen Spalt weit und reicht ihn hinaus. Ein kühler Windstoß schwappt herein. Das Parkticket könnten wir von der Steuer absetzen, ruft der Wegelagerer uns fröhlich zu. Ehe ich ihn mit dem Imperius- Fluch gefügig machen kann, gibt Murat auch schon wieder Gas und rauscht den Weg an den langen Messeblechhallen vorbei. Direkt vor dem Haupteingang quetscht er sich auf einen Frauenparkplatz zwischen zwei Twingos. Durch die großzügige Kofferraumtür stolzieren wir nach draußen. Die Sonne lacht uns zu, wir lachen uns an, umarmen uns und gehen unter bewunderten Blicken auf dem roten Teppich zum Portal. Auf einmal huscht Ayse an uns vorbei und verschwindet ebenso plötzlich im Getümmel. Mir stockt der Atem, zittrig nestele ich nach dem Einlassticket, reiche Murat seines und sprinte hinterher. Erst jetzt bemerke ich, dass ich auf falschen Wegen wandele und im Fluss der zeitgleichen Eventausstellung „Einfach Frau sein“ schwimme. Panisch versuche ich noch umzudrehen, doch ich werde vom immer dichter werdenden Strom mitgerissen in den Dschungel der pastell- farbenen Begehrlichkeiten von Schmuck, Parfüm, Dessous, Wellness und Fitness, Haartrends, Dekorieren, Urlaub, Essen und Trinken und Trennungsberatung. Die letzte Welle spuckt mich direkt in einen Pulk blondierter Perückenschafe und Beratungsopfer, die am Stand der Weight Watchers Flyer, Ernährungstipps und Punktetabellen studieren. Mitgeschleifte Ehemänner in Fußball- Trikots starren abseits an einem Bierstand auf einen winzigen Fernseher, auf dem das Livespiel um den Spitzenplatz grade angepfiffen wird. Ich erkenne Renzo und will ausscheren, kann aber keinen Halt finden und werde weiter ins Innere des Plüschtempels geschoben und auf einen mintblauen Stapelstuhl gedrückt. Die Vorsitzende des Anorexie- Verbandes „Rund war die Frau“, die einer Brausestange Konkurrenz machen könnte, hält einen Multimedia- Vortrag zum Thema „Ich esse meine Suppe nicht“ und projiziert ein verzerrtes, dünnes Kerlchen auf Wand und Decke. Diät-Assistentinnen mit der eingefrorenen Mimik eines Tauschbildes reichen grüne Tees und stille Wasser zu gedünstetem Rohkostschnitzel auf einem ungeschälten Wildreismantel. Ayse ist eh verschwunden, denke ich mir und mache ich mit den Händen ein tolles Schattenbild (ein Murmeltier!), bis ich mit Süßstoffwürfeln beworfen werde. Fluchend flüchte ich hinter einen Vorhang, als ein schriller Schrei das Gebet zerreißt und von den kalten Metallwänden jäh zurückgeworfen wird. Entsetzt drehe ich mich um und blicke in Ulla Popkens nackte Augen. Noch ehe ich sie zu ihrer Figur beglückwünschen kann, bekomme ich einen Seegraskorb um die Ohren geschlagen. Pröbchen, Rabattgutscheine, Traubenzucker, bedruckte Einkaufswagenchips, Feuerzeuge und Kugelschreiber purzeln wild umher. Es sieht aus wie in Wacken am dritten Tag des Open Air- Festivals. Der übergewichtige Modeirrtum jagt mich trampelnd aus dem Zelt. Erst am Ha-Ra- Stand kann ich sie abschütteln, indem ich mich durch ein Nest damenbärtiger doppelter X- Chromosomenträger in die erste Reihe drängele. Eine gefühlte Halbzeit später schleiche ich mit einem revolutionären neuen Putzsystem mehr und einem gefühlten Monatsverdienst weniger von dannen. Erschöpft lasse ich mich in einen Massage- Sessel fallen. Das schwarze Leder klebt schwer auf meinem durchschwitzten Shirt. Geschickt streife ich mit der Hacke meine Schuhe ab, werfe 5 Euro in den Automatenschlitz und massiere meinen geschundenen Kiefer. Ich schaue auf meine Uhr und will grade die Zwischenergebnisse auf meinem Handy abrufen, als mich vier stählerne Hände von hinten packen. Zwei stiernackige PEZ- Gesichter nicken mit offenen Mündern und schiefen Nasen zur Tür. Eine Traube geifernder Weiber umkreist mich schnell, klatscht in die Hände und skandiert synchron „Ausziehen!“ Ich denke an meine Popeye- Unterwäsche und lasse mich ohne Widerstand hinausbegleiten.
Draußen steht die Sonne schon tief, ein verführerischer Bratwurstduft liegt in der warmen Abendluft. Bargeldlos, barfuß und blinzelnd folge ich ihm über den Parkplatz, bis ich in der Ferne Murat erkenne, der quatschend mit Ayse auf der Ladekante von unserem Wagen sitzt. Ich schleiche mich geduckt an und versuche, mir mein Geld aus dem Handschuhfach zu angeln. Im Radio laufen die letzten Minuten des heutigen Spieltages, es geht in allen Stadien hin und her. Als die Bayern in der Nachspielzeit einen ungerechtfertigten Elfmeter geschenkt bekommen, schlage ich fluchend aufs Blech. Plötzlich tauchen neben mir irgendeine Drahtbürste von den Gewichtsguckern und die Hand geflochtene Picknicktasche aus der Umkleidekabine auf. Die beiden Tuppertanten steigen in ihren Twingo und brausen mit meiner Deckung davon. Im letzten Moment kann ich mich mit einem kühnen Sprung unter unseren Renault retten. Durch den Unterboden muss ich dumpf den Torjubel der sprachdefizitären Südstaatentruppe mit Migrationshintergrund hinnehmen und stoße mir fast den Kopf vor lauter Zorn. Dann stellt Murat, der Banause, noch vor dem Schlusspfiff auf einen türkischen Sender um und trällert verliebt mit Ayse Tarkan´s einzigen Hit. Jetzt stoße ich mir den Kopf. Auf ein Mal steht Murat wie ein Strauß da, schaut kopfüber durch seine Beine hindurch und sieht meine Füße unter der Stoßstange heraus ragen. Ich schäle mich unter dem Wagen hervor, „alles klar“, sage ich, wische mir die öligen Hände an der neuen Jeans ab, „der Zylinder ist wieder dicht! Wir können weiter! Pass aber diesmal besser auf!“ Murat schaut mich an wie ein Playmobil- Sultan und ein winziges Lächeln huscht über Ayse´s Gesicht.
Nächste Woche ist wieder Messe, diesmal „Mann sein“. Da gehe ich sicher hin, Gina Wild gibt Autogramme!

Doch vorher führt uns unser Weg noch hierhin

Bratkartoffelverhältnis

Ich drückte mein Gesicht dicht an die klebrige Busscheibe. Ein Dutzend toter Fliegen pappte daran wie an einem Leimstreifen. Der Kloß in meinem Hals war so groß wie ein Fußball, und ich wusste, dass das, was kommt, nie mehr so sein wird wie das, was war. Ich wusste nicht, was ich einmal werden wollte, aber jetzt wollte ich nur bei dir bleiben. Hier ging ein fantastisches Abenteuer zu Ende. REM spielte ein letztes Mal für uns Loosing my religion und ich verlor die Vision eines kleinen Jungen, der von der großen Liebe träumte. Ich suchte vergebens deinen Blick irgendwo da draußen und schluckte den Ball hinunter. Der Meeresspiegel stieg dadurch und drückte Salzwasser in meine Augen. Es brannte. Wut schnaubend und grollend setzte sich der Bus in Bewegung. Mit jedem Meter zurück in die verregnete Heimat wuchs die Sehnsucht, an diesen Ort zurück zu kehren und in Leidenschaft an etwas zu glauben, das so schön war wie du. Es gab nur eine Handvoll Momente in all den Jahren danach, in denen ich annähernd dachte, jemandem wie dir wieder zu begegnen. Aber keine einzige hat mich so verzaubert wie du.

Jetzt stehe ich hier auf Block 3. Das letzte Heimspiel einer völlig verschissenen Saison geht zu Ende. Abgeschlagen auf Platz 18 versinkst du in den Niederungen vorsokratischer Balltändelei. Wir waren mehr als ein Jahrzehnt auf dem Olymp, häufig auf schmalem Grat und kurz vor dem Fall. Manchmal schlugen wir die Großen, die leichtgläubig meinten, uns fressen zu können. Oft schlugen wir uns selbst. Ich habe dich bejubelt und beschimpft, dich bestaunt und verflucht. Ich habe mir schnarrende Übertragungen im Radio angehört und stand auf der Südtribüne immer hinter dir, einmal sogar mit OP- Hemd unterm Trikot und Braunüle im Handrücken. Ich habe legendäre Partien gesehen auf Schnee bedecktem Platz und ich hatte Pipi in den Schuhen im Hochsommer. Manchmal denke ich sehnsuchtsvoll an unsere erste Begegnung zurück, als wir Bonanza – Jungs mit einem muffigen Tennisball auf der Straße kickten. Ich stand mit Pickeln und Arbeitshandschuhen im Gartentor und habe 11 Buden kassiert, genau wie du an diesem Nachmittag. Mein Spitzname „Alter Finne“ war geboren.

In meinem Herzen sind deine Buchstaben eintätowiert, in meinem Garten weht stolz deine Fahne, auf meinem Auto kleben treu deine Farben. Und in meinem Hals habe ich wieder diesen Kloß. Ich kann nicht glauben, dass du jetzt gehst. Schwer verwundet liegst du auf dem Sterbebett. Die Ärzte haben keine Hoffnung mehr und schalten die Infusionen ab.

Arminia, keine einzige hat mich so verzaubert wie du.

Hühneraugen

Links und rechts habe ich sie, mitten unterm Zehenballen. Bei jedem Schritt muss ich mich entscheiden: Entweder zu staken wie der Storch im Teich oder zu huschen wie über glühende Kohlen. Das ist nicht schön anzusehen.

Letztens erst hat Variante Eins einen Ladendetektiv misstrauisch gemacht. Als rechtschaffender Mann habe ich mich natürlich über den obskuren Verdacht des Diebstahls echauffiert und mich der Taschenkontrolle verweigert. So wurde ich in einer verrauchten und dunklen Spionagezentrale festgehalten. Auf allen Monitoren flackerten Bilder aus den Eingeweiden des Konsumbabels. Aber auf keinem lief Fußball. Es dauerte geschlagene 40 Minuten nach dem rechnerischen Schlusspfiff, bis die blau-blau uniformierten Sportkameraden den Weg ins Arbeitszimmer des Nick Knatterton gefunden hatten. Meine inneren Organe waren inzwischen am Maximum ihrer Vorratsdatenspeicherung angelangt und es drückte mich heftig der Harn. In dem Moment, als die schwere Tür nach einem Klopfcode geöffnet wurde, huschte ich in Art und Weise von Variante Zwei an den Kuckucksgesichtern vorbei, den langen Flur entlang bis in die Abteilung für gebrauchte Getränke. Dort wurde ich dann unschön überwältigt, obwohl ich meine Hände noch brauchte.

Ich sag’s ja: Das ist nicht schön anzusehen. Guten Appetit!

Schnittblumen

In jeder Gala, Brigitte und Für Ihr steht etwas über dieses Thema geschrieben. Wie Schnittblumen das Leben verändern. Wie sie Licht in die Dunkelheit bringen. Was sie bedeuten. Wie man sie verschenkt. Wie sie länger frisch Schnittblumen oder welche Blumen zu welchem Anlass passen. Männer können darüber nur lächeln. Warum sollte ich dafür 20€ ausgeben? Damit ich sie nach drei Tagen tot in die Schnittblumentonne trage? Und ich dann noch aus Pietät Kollegen auf den braunen Sargdeckel lege? Was soll ich mit Grünobst, von dem ich nicht weiß, wie man es schreibt oder wie es aussieht? Krisantheme? Hüazinte? Da halte ich mich doch lieber an Bier! Das hat wenigstens immer Saison. Es ist auch geselliger beim Fußball gucken. Das kann ich auch schreiben! Und es ist Pfand drauf!

In der nächsten Halbzeitpause kann ich ja meinen Kumpels mal ein zartes Röschen statt eines kühlen Krombachers mitbringen. Das wird ein Spaß! Und nach Spielende erzähle ich ihnen, dass ich noch zur Fußpflege muss. Dann darf ich mich aber nicht wundern, wenn ich zum Geburtstag ein Ikebana- Gesteck und einen Gutschein für einen Kursus im Trockenfilzen beim Verein für Hausfrauen und Schwiegermütter (VHS) bekomme.

Und ehe ich mich versehe, flattern mir die ersten Kataloge von Tupper, Teutonia und Co in den Briefkasten. Vorsichtshalber habe ich den Boden heraus gesägt und die geöffnete Papiertonne darunter geschoben. So erspare ich mir gleichzeitig nervige Erinnerungsschreiben von der Medienmafia GEZ. Die plumpsen halbjährlich direkt auf den Stapel der Sonntagszeitungen, Kirchenblätter und Pizzataxizettel. Nur an die Straße schieben muss ich den schweren Rollkoffer noch selber.

Ach so, meine Blumen bringt mir der Bofrostmann, gekühlt halten sie länger frisch! Und die Nachbarn merken nichts!

Pokalfinalistbezwinger

Als Fan eines vom Abstieg bedrohten Zweitliga- Fußballvereins habe ich nicht wirklich viel zu lachen.
Das 2:1 gestern erlebte ich aber wie ein kleiner Junge mit einer klöternden Blechdose am Weltspartag, wenn mir der greise Filialleiter einen muffigen Plüschhasen überreicht und gleichzeitig Kontoführungsgebühren belastet: Glücklich über das Unnütze.
Das kann nur ein echter Fan!