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Posts Tagged ‘Sonne’

Da soll mir noch einer erzählen, ich würde die Gelegenheiten nicht nutzen die sich mir im Leben so bieten. Das ist völliger Quatsch und sogar Bullshit, oder auf Deutsch: Ochsenpisse.

Wenn es zum Beispiel regnet, bleibe ich im Haus und überlege, was ich alles machen könnte, wenn jetzt die Sonne schiene. Das finde ich weitaus sinnvoller, als mich draußen zu grämen, dass ich klitschnass bis auf die Knochen bin und nicht weiß, wohin.
Und ist mein Kühlschrank leer wie ein Fußballstadion drei Stunden nach Abpfiff, drehe ich einfach das Birnchen heraus, so muss ich das Elend wenigstens nicht auch noch sehen. Dem Nachbarn hingegen, bei dem es so lecker aus dem Fenster riecht, bringe ich genau dann DIE Eier zurück, die mir vor mehreren Wochen geliehen hat.
Oder angenommen, ich habe tatsächlich einmal einen Strafzettel unter meinem Scheibenwischer, so bleibe ich gleich den Rest des Tages umsonst dort stehen, mache derweil in aller Seelenruhe meine Einkäufe in der Stadt, lasse mich frisieren und liften und zeige jeden dämlichen Falschparker beim Ordnungsamt an.
Und wenn wirklich wieder alle Unterhosen in der Wäsche sind und sämtliche Socken Löcher haben, dann denke ich daran, wie schön es wäre, jetzt nackt durch den Regen zu laufen.

So einfach ist das Leben, carpe diem!

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Dort

Dort, wo der Wind sanft die grünen Hügel streichelt, die Sonne den Horizont in inniger Umarmung küsst und selbst der Regen nach Applaus klingt,
dort möchte ich einmal leben.
Zwischen sorgfältig restaurierten alten Olivenholzmöbeln, zwischen Kunst und Kultur richte ich mich ein in einem kleinen Natursteinhaus am Rande des Städtchens (damit ich das Kirchengebimmel nicht hören muss) und baue Marihuana an. Beim Versuch, es auf dem Marktplatz zu verticken, werde ich von Jugendlichen übers Ohr gehauen und verpfiffen. Der herbeigerufene Carabiniere stiehlt meine Autoschlüssel für das Karmann Ghia Cabriolet und buchtet mich ein. Im Gefängnis fallen mir die Zähne aus und ich erkranke an Skorbut.

Vielleicht, vielleicht aber auch nur, ist es ja doch ganz schön hier, wo ich jetzt bin, wenn auch nicht für immer. Irgendwann will ich weg.

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Frei sein

Ich möchte frei sein wie das Gras in den Dünen, wie die Wolken am Horizont. Ich möchte mich auf einer Bank niederlassen, in den Tag träumen und die Füße von mir strecken. Die Sonne wärmt mein Gesicht und der Wind schmeckt nach Salz. Meine Gedanken können verweilen, wo sie sind, sie umhüllen mich wie eine weiche Decke.
So möchte ich gerne leben, frei wie ein Kurzdeckenbock im Frühlingsgras.

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Manchmal ist in meinem Kopf so wenig Platz, dass ich alles, was nicht niet- und nagelfest ist, bei eBay verkaufe, aktiv vergesse oder gnadenlos wegwerfe. Selbst Geschichten, die gestern erst geschehen sind, können heute schon Ballast sein, der mich abhält, nach vorne zu schauen und den Aufstieg auf den Olymp zu schaffen. Nur selten passiert es mir dabei, dass ich doch das eine oder andere Stückchen davon gerne wieder hätte. Aber das hat mich nie wirklich gestört, denn es ereignen sich ja täglich neue Überraschungen, die mir den Kopf zumüllen. Und deswegen finde ich es sinnvoller zu vergessen. Wo soll ich auch hin mit dem alten Rotz in meiner kleinen Einzimmerwohnung der Erinnerungen? Da müssen manche Sachen eben auf der Strecke bleiben.
Es ist wie auf einer Party: Die Gäste kommen und gehen, der Alkohol fließt in Strömen, wir rauchen Kette und reden über Fußball. In der Küche stapeln sich durchweichte Pizzakartons und braune, angetrunkene Flaschen reihen sich dichtgedrängt wie Arminiafans in der Südkurve auf dem Tisch. Irgendwann schütten wir uns daraus einen Schlummerschluck zusammen, pflücken die Zigarettenfilter aus dem trüben Gesöff, exen die Brühe und legen uns auf den Boden zum Pennen. Am nächsten Morgen dröhnt der Schädel wie ein Bohrhammer und die Knochen tun weh, als hätten wir unter einem Elefanten geschlafen. Das Bad ist für eine Woche unbewohnbar, aber zum Pissen im Stehen reicht es. Abends kommen ein paar neue Freunde zum Restetrinken und wir kotzen gemeinsam in die Regenschirmkanne.
In der Erinnerung war es trotzdem ein rundum gelungenes Fest. Ich mag es, wenn die Dinge noch eine Ordnung und Bezug zueinander haben. Ich will mich darauf verlassen können, dass Bier seit 1516 nur mit bestem Hopfen, Hefe, Malz und Wasser gebraut ist. Deswegen verdränge ich die Realität, dass es Sorten gibt, die besser im Süßwarenregal stünden und nach bunter Zuckerwatte schmecken.
„Pfui, wer so etwas trinkt, der frisst auch kleine Kinder“, sagt mein Wirt immer und ergänzt dann, nach einer kleinen andächtigen Pause: „Der letzte Schluck sollte ein Herforder sein.“
Da hat er Recht. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Pils, aber nicht an meine erste Kola.
Und das ist genau das, was ich meine: Es gibt so viele Dinge, die es sich gar nicht zu merken lohnt. Das, was ich darüber hinaus noch rauskehre, bis die Hirnstube leer ist wie ein ostdeutscher Supermarkt vor der Wende, sind unwichtige Kollateralschäden. Was gestern war, ist vorbei und kommt nicht wieder. Nur weil mich einmal der Blitz beim Scheißen im Wald getroffen hat, so hat es doch tausend Mal vorher Spaß gemacht und ich muss deswegen nicht grundlegend mein Leben ändern. Und wenn die Uhr auf Winterzeit umgestellt wird, geht zwar die Sonne eher unter, aber nicht gleich die ganze Welt. Ich habe sogar eine Stunde länger Zeit, neues Bier zu kaufen. Es spielt auch überhaupt keine Rolle, ob ich gestern irgendetwas hätte tun können. Wichtig ist einzig und allein nur, ob ich getan habe.

Das ist das ewig wiederkehrende Lied in meinem Kopf. Ich liebe es und ich hasse es, weil es mich verrückt macht. Jeden Tag schießen mir hundert Momente durch den Gedankenwald, wie es wäre, wenn ich ihr genau jetzt sagen würde, dass ich sie gerne vögeln möchte und einen Augenblick später verfluche ich mich dafür, dass ich es tat. Was geht mir das auf die Nüsse. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Kann denn niemals alles perfekt sein? Muss denn immer alles im Fluss sein? Ich will mich manchmal einfach nur hinsetzen und Zeit haben, zur Ruhe zu kommen und nachzudenken. Die Dinge sollen einmal so bleiben, wie sie sind und nichts verändert sich. Aber nein, stattdessen rast schon wieder die nächste Katastrophe mit überhöhter Geschwindigkeit die abschüssige Kurve hinab. Gerne würde ich mir sagen und es auch glauben, dass das so seine Richtigkeit hat.
Doch nur zu oft packen mich Gefühle von Zweifel und Unsicherheit. Versagensängste klopfen penetrant wie der Bofrostmann an meine Tür. Beim letzten Mal hat er mir einen überteuerten Tiefkühl- Adventskalender angedreht und mich dabei angeschaut wie Klaus Kinski. Ich konnte drei Wochen lang nur mit großem Licht schlafen und habe bei der nächsten Sitzung meine Psychologin mit einem Messer bedroht. Erschrocken meinte sie, ich solle meine Angstwut doch einmal aufmalen. Ich schnappte mir den größten Pinsel und knallte ihr ein Happening aus Rot und Schwarz schwungvoll auf die Leinwand, so dass Pollock kleinlaut um einen Praktikumsplatz bei mir gebettelt hätte. Dabei sang ich laut Dicke von Westernhagen. Ich schloss die Augen und stellte mir vor, wie ich ihre nackten Brüste mit beiden Händen anmale und ihr ein Geweih auf den knackigen Arsch pinsele. Doch die alte Eule kroch nur tiefer und tiefer in ihren Ohrensessel, blätterte in der roten Medikamentenliste und telefonierte. Als meine Musik verstummte, nahm ich mir ein Cuttermesser und schlitzte sie langsam auf. Der erste Stich durchdrang das straff gespannte Gewebe mit dem leisen Geräusch wie ein Reißverschluss, dann färbte sich die Klinge blutrot und zeichnete wie von selbst ein Satanskreuz. Ich setzte mich still davor, rauchte und betrachtete genussvoll mein Werk, bis ein Sondereinsatzkommando die Praxis stürmte und die völlig zerstörte Leinwand beschlagnahmte.

Wie lange mag das wohl her sein? Ich weiß es nicht! Vielleicht ist es auch nie geschehen, wer kann es wissen? Vergangenheit ist wie eine alte Sendung Aktenzeichen xy, unaufklärbar, ewig her und nicht mehr zu ändern. Also brauche ich mir keinen Kopf darum zu machen, was damals war oder nicht. Es reicht, wenn ich mich an meinen Namen erinnere. Zum Glück habe ich ja zwei, falls ich den einen doch einmal vergessen sollte.

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Manchmal habe ich Flusen zwischen den Zehen. Dann frage ich mich, wie die dahingelangen. Es gibt offensichtlich Phänomene und Mysterien, für die gibt es einfach keine Erklärungen. Zumindest keine einfachen.
Wie zum Beispiel das mit den Krümeln im Bauchnabel. Krümel! Man muss sich das mal vorstellen! Wenn ich nun dick und bräsig mit nackter Wampe im Biergarten oder am Stammtisch sitzen würde, dazu eine Brezel essen würde, dann könnte ich das begreifen. Wie gesagt, wenn ich dabei sitzen würde, aber das tue ich nicht. Ich stehe dabei, wegen der Figur, damit ich nicht aussehe wie Buddha auf dem Donnerbalken.
Oder warum ich auch ständig Schuppen auf den Schultern habe. Ich verstehe das nicht, eigentlich kann das gar nicht sein, ich bin ja schließlich kein Fisch. Ich war auch noch nie am Meer und meide Wasser überdies wie der Bofrostmann die Sonne.
Und nun das! Flusen?!
Ach, wo sind eigentlich meine Socken?

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Siehstema

Hand in Hand mit dir in die Sonne blinzeln, deine Nähe festhalten in jedem Moment, verweilen und durchatmen. Im Wiegeschritt tanzen, umplumpsen und im Gras liegen. Der blaue Himmel lädt zum Träumen ein. Ich sehe ein Schaf und einen Elefanten, für dich ist es ein Murmeltier und eine Fee.
„Die einzige Fee hier bist du“, sage ich und puste die Wolke fort.
„Liebe ist ein Segelschiff“, flüsterst du.
Ich schließe die Augen, spüre den Wind auf meiner Haut und höre mein Herz schlagen. „Ich bin gerne am Meer mit dir“, denke ich und kuschele mich näher an dich.
„Der Papst hat rote Schuhe“, meinst du.
„Ja, wie Messi!“
Schön, dass es dich gibt.

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Wenn jetzt Sommer wär‘

Warm und weich liegt die Luft über der Stadt, die Sonne lacht schon den ganzen Tag. Erschöpft steige ich aus dem Auto und da packt es mich. Es weht durch die Gärten und Gassen, mischt sich mit dem stillen Duft von frischen Rasenschnitt. Überall steigen Funken glühender Grillkohle empor und Würstchenzangen klappern. Der Speichel in meinem Mund beginnt zu knistern, grüngelber Senf beißt mich in die Nase, Gerbsäure rinnt durch meine Kehle zu einem Straßenfest der Sinne. Das Leben spielt Soul und ich tanze auf dem Tisch.

PS: Es liegt immer noch Schnee draußen, noch weit und breit kein Sommer in Sicht.

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