Am Ende der Wurst

Manchmal sitze ich da und frage mich, was wohl am Ende passiert. Geht dann einfach das Licht aus? Zappenduster sozusagen? Oder kommt da noch was?
Natürlich weiß ich, dass es müßig ist, diese Frage zu stellen, denn die Antwort darauf weiß keiner. Jedenfalls keiner, der Verstand hat. Ich will auch gar nicht wissen, was oder wer konkret auf mich wartet. Es könnte ja meine erste Englischlehrerin sein, Frau Kornfeld, die mich Vokabeln abfragt, hämisch dabei grinst wie ein altes Pferd und sich dann Notizen in ihr rotes Heftchen macht. Oder es könnte der Rotzer aus Haus Nummer 6 sein, der am Torbogen zum Himmelsreich, denn da werde ich wohl hinkommen, steht und lauert und jedem Neuankömmling auf den Kopf spuckt. Zwar hätten genau das manche oder besser gesagt: viele, die ich kenne, weiß Gott verdient, aber selbst der konnte mir nicht wirklich eine plausible Antwort geben. Und dabei hätte ich genau das, und eigentlich nur das, von ihm erwartet. Es ist ja schließlich eine ganz einfache Frage: Gibt es da noch was?
Ich hätte halt nur gerne Gewissheit, ob es lohnt, wach zu bleiben oder am Ende doch nur eine Wiederholung von Dinner for one läuft, ehe der ganze Schlamassel von vorne beginnt und ich Vokabeln lernen muss.

Prost Leben

Als Klotz am nächsten Tag die Tür öffnete, schüttete es derart, dass er auf dem Absatz wieder kehrt machte, in den Keller ging und seine Gummistiefel holte. Sorgfältig faltete er seinen Hosenaufschlag zusammen, schlüpfte hinein und verschnürte das Bändchen mit einer Doppelschleife. Nasse Füße waren jetzt das Letzte, was er gebrauchen konnte. Dann zog er seinen schweren Dufflecoat an, stülpte sich die Kapuze bis über die Nase und trat hinaus. Schon an der Gartenpforte lief ihm das Wasser den Nacken hinunter bis in die Unterhose. Doch er wäre nicht Klotz, wenn er noch einmal umdrehen würde, nur um sich einen Schirm zu holen oder sich die Anglerhose anzuziehen. Und, das musste er insgeheim zugeben, ein bisschen neugierig war er, wer ihm diesen Brief geschrieben hat, und verspäten wollte er sich schließlich auch nicht. Also ging er allen Widrigkeiten zum Trotz zum Dorfmetzger und kaufte einen ganzen Kringel Fleischwurst.
Exakt auf die Sekunde um 17.00 Uhr stellte sich Klotz genau in die Mitte des Marktplatzes, das Wetter kotzte sich inzwischen richtig aus. Vom Regen gepeitscht drehte er sich, den suchenden Blick schweifend, einmal im Kreis. Außer ihm war weit und breit niemand zu sehen. Jeder, der noch ein Fünkchen Verstand hatte, war jetzt zu Hause oder hatte wenigstens unter einer Brücke Deckung bezogen. Doch Klotz stand dort wie gemeißelt eine viertel Stunde lang, den Schirm in der einen, die Wurst in der anderen Hand. Dann zog er die Pelle ab, biss hinein und ging wieder heim.
Das Leben ist eine Parkbank, dachte er, hart und beschissen.