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Modern Walking

»Schritt für Schritt« ist eine gute Strategie zur Fortbewegung. Natürlich klappt das nur, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Im Zug kommt man damit nicht schneller ans Ziel, im Heißluftballon dreht sich alles nur im Kreis und, angenommen, die Erde sei doch eine Scheibe, dann plumpst man dabei am Rand spurlos herunter. Wie so häufig bei Redewendungen und Semestertickets ist also der wahre Nutzen eingeschränkt und nicht beliebig übertragbar. Das Gleiche gilt für das Sprichwort »In der Kürze liegt die Würze«. Bei einer Polonäse ergibt das einfach keinen Sinn, ebenso wenig bei Spaghetti. Manche Dinge müssen lang sein.

Schon seit geraumer Zeit will ich deswegen ein Benutzerhandbuch verfassen, das die richtige Bedeutung erläutert und die falsche ausschließt. Darin stünde auf jeden Fall, dass sich »weder Fisch noch Fleisch« keineswegs auf vegane Ernährung bezieht, sondern auf die schwierige pubertäre Entwicklungsphase von Heranwachsenden, jedoch könnte es auch den heimischen Sommer oder die Spielkultur von Arminia Bielefeld beschreiben. Wenn wiederum in diesem Zusammenhang öfter das Wort »Grottenkick« fällt, so hat niemand ein Fußballmatch des DSC in einer Höhle im Sinn, stattdessen aber das zwölfte Unentschieden in einer Saison und das gegen einen Abstiegskandidaten. Das Rätsel, wie wir dennoch stur, kämpferisch und hartnäckig hinter unserer Mannschaft stehen können, obwohl es uns in Wahrheit gar nicht gibt, lässt sich hingegen leicht auflösen: Wir nehmen eben nicht alles wörtlich, was man sagt, stille Wasser sind bekanntlich tief.

Urknall

»Jetzt fang endlich an!«, sagte meine Lehrerin oft zu mir, wenn ich wieder einmal Löcher in die Luft oder aus dem Fenster starrte. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich längst begonnen hatte, diese kleinen wandernden Punkte und Fäden vor den Augen zum Stillstand zu bringen, um sie besser zählen zu können. Kaum hatte ich es dann geschafft, schlug sie mit der geballten Faust so auf den Tisch, dass dabei alles wie in einem Sturm durcheinander wirbelte und ich von vorne beginnen musste.
Eines Tages, ich war exakt bei 112.387 angelangt und hatte nur noch 2 Körnchen vor mir, flog ein Stückchen Kreide geradewegs auf mich zu. Meine so mühsam erschaffene Weltordnung geriet ins Taumeln und Trudeln, sie wackelte und wankte, sie rutschte und ruckelte und schließlich explodierte sie mit einem lauten Knall.

Und plötzlich wusste ich, dass zwischen Genie und Wahnsinn manchmal nur der Boxhieb oder der Kreidewurf eines besserwisserischen Ignoranten liegt. Oder beides.

sommerakademie2 2016

Vom Entwurf zum Schinken, mmmhh

entstanden während der Borgolzhausener Sommerakademie 2016

Angekommen

Ich stelle die Koffer neben das Bett, ziehe die Vorhänge zur Seite und schaue aus dem Fenster. Draußen liegt eine weite Landschaft wie ein grünes Samttuch vor mir, Hügel schmiegen sich sanft aneinander und am Horizont glitzert silbern das Meer.
»Das ist wunderschön«, sagst du und küsst mich in den Nacken.
»Ja, mit dir bin ich endlich angekommen«, antworte ich leise und nehme deine Hand.

Da soll mir noch einer erzählen, ich würde die Gelegenheiten nicht nutzen die sich mir im Leben so bieten. Das ist völliger Quatsch und sogar Bullshit, oder auf Deutsch: Ochsenpisse.

Wenn es zum Beispiel regnet, bleibe ich im Haus und überlege, was ich alles machen könnte, wenn jetzt die Sonne schiene. Das finde ich weitaus sinnvoller, als mich draußen zu grämen, dass ich klitschnass bis auf die Knochen bin und nicht weiß, wohin.
Und ist mein Kühlschrank leer wie ein Fußballstadion drei Stunden nach Abpfiff, drehe ich einfach das Birnchen heraus, so muss ich das Elend wenigstens nicht auch noch sehen. Dem Nachbarn hingegen, bei dem es so lecker aus dem Fenster riecht, bringe ich genau dann DIE Eier zurück, die mir vor mehreren Wochen geliehen hat.
Oder angenommen, ich habe tatsächlich einmal einen Strafzettel unter meinem Scheibenwischer, so bleibe ich gleich den Rest des Tages umsonst dort stehen, mache derweil in aller Seelenruhe meine Einkäufe in der Stadt, lasse mich frisieren und liften und zeige jeden dämlichen Falschparker beim Ordnungsamt an.
Und wenn wirklich wieder alle Unterhosen in der Wäsche sind und sämtliche Socken Löcher haben, dann denke ich daran, wie schön es wäre, jetzt nackt durch den Regen zu laufen.

So einfach ist das Leben, carpe diem!

Grade ist mein neues eBook „Lass mich Arzt, ich bin durch!“ erschienen. Es sind zwar alte Bloggeschichten, die alle schon einmal erschienen sind, ich habe sie aber überarbeitet und in ein neues Gewand gesteckt.
Nichts anderes geschieht in der CDU, wenn sie behauptet, mit ihr gäbe es keine PKW- Maut. Aber ich will hier jetzt nicht politisch werden, denn ich bin ein ehrlicher Mensch. Ich gehe sonntags in die Kirche und der FCB ist der beste Fußballverein der Welt. Ach, jetzt bin ich doch politisch geworden.
Nichtsdestotrotz kann ich euch dieses eBook wärmstens empfehlen.

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Blind Date

Warten ist nicht wirklich meine Stärke. Die Zeit bummelt so herum und lässt mich ungefragt im Café hocken. Sie sagt mir nicht einmal Bescheid, wenn sie sich verspätet, sondern sie tut das einfach. Ich habe keine Ahnung, was ich dann tun soll. Aufstehen und gehen oder ihr die letzte klitzekleine Chance einräumen, doch noch zu erscheinen? In Wahrheit weiß ich es nur zu genau: Nie ist sie pünktlich. Sogar bei der Deutschen Bahn wäre sie längst gefeuert worden.
Aber wie heißt es so schön? Das Leben ist kein Ponyschlecken oder so ähnlich.
Ich frage mich, ob sie mich bereits entdeckt hat, ohne sich selbst zu erkennen geben. Vielleicht steht sie feixend an irgendeiner Ecke, schleckt ein Eis und lästert mit ihren Freundinnen, wie doof ich bin! Ja, so sind sie! Und ich mache hier den Deppen, trinke einen koffeinfreien Milchkaffee statt einer Bacardi-Cola. Dabei hätte ich die Sache am liebsten schon hinter mir. Dann müsste mich nicht mit schweißnassen Händen an der Tasse festhalten und in jedes Gesicht gucken, das an mir vorübergeht.
Vielleicht hast du dich ja auch verkleidet und wolltest erst einmal sehen, was ich für ein Wichtel bin. Ich kann es dir sagen: ein ganz Sensibler! Das sollte ich in meinem Profil ergänzen und dafür bei dir Pünktlichkeit streichen. So weiß der Nächste wenigstens, worauf er sich einlässt und kann eines mitbringen, was mir offensichtlich fehlt: Geduld.
Bis später!

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