Finitum

Manchmal gibt es Tage, das stresst mich der Alltag. Dann ist mir alles zu viel. Jede Kleinigkeit regt mich auf und ich weiß nicht, wie ich von der Palme wieder runterkommen soll. Und so gehe ich abends mit meinen Gespenstern schlafen und stehe am nächsten Tag wieder mit ihnen auf. Ich weiß einfach nicht, was ich dagegen unternehmen soll. Ich könnte brüllen und schreien vor Wut, ich könnte stampfen und toben. Sicher würde mir saufen und rauchen helfen, aber aus Erfahrung weiß ich: Das funktioniert nur kurzzeitig. Ich bin also mit meinem Latein am Ende. Mit den Nerven auch.
Aber vielleicht sollte ich mir eine Modelleisenbahn kaufen und fortan das ruhige Leben eines Schrankenbeamten führen. Oder ich gehe zur Post und stempele Briefmarken. Doch wie ich aus erster Hand und gut informierter Quelle weiß, ist das auch kein Zuckerschlecken. Ganz im Gegenteil: Die ewige Verspätung der Bahn oder das fehlende Porto auf dem Maxibrief haben schon so manchen dort in den Wahnsinn oder die Abhängigkeit getrieben. Und eigentlich kann ich dann ja auch da bleiben, wo ich bin.
Ich sage es ja: Das Leben ist ein Irrenhaus.

Unschuldig

Manchmal ist das Leben unübersichtlich und verwirrend. Ich weiß dann weder ein noch aus. Was ich auch tue, es fühlt sich irgendwie falsch an. Besonders suspekt und unheimlich ist mir die Liebe, denn ich kann beim besten Willen kein Muster oder Rhythmus darin erkennen, wer sich wann, wieso, warum und in wen verliebt. Noch viel schlimmer ist es, wenn es mich selbst ereilt. Dann brechen alle Dämme. Meine mühsam geschmiedeten Routinen geraten durcheinander, alles steht Kopf und nichts mehr passt zusammen.
Dabei wäre es ganz einfach, denn, wann immer ich mich so durchgerührt fühle, kann und muss ich davon ausgehen, dass ich verliebt bin.
Eigentlich.
Doch eigentlich brennt es auch nicht beim Wasserlassen. Und trotzdem musste ich als kleiner Junge genau diese verstörende Erfahrung einmal machen, als ich an den Weidezaun gepinkelt habe. Und so stehe ich noch heute dem Wörtchen Eigentlich eher skeptisch gegenüber, denn merkwürdigerweise lösen auch Hunger oder Angst dieses Kribbeln in meinem Bauch aus.
Und genau das ist auch mein Dilemma: Immer, wenn ich einer Frau begegne, weiß ich nicht, ob ich sie küssen, aufessen oder doch lieber weglaufen soll. Ein ums andere Mal führte das bereits zu polizeilichen Ermittlungen, wüsten Beschimpfungen oder Bisswunden.
Ich frage mich anschließend oft, was ich denn diesmal wieder falsch gemacht habe. Wie gesagt: Das Leben ist unübersichtlich und verwirrend.