Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Tag’

Das Leben ist kein Ponyhof

Als ich noch ein kleiner Junge war, wollte ich Feuerwehrmann werden. Doch als irgendwann einmal unser Esszimmertisch durch meine Schuld brannte, haben mir meine Eltern verboten, auch nur in die Nähe einer Flamme zu gehen. Ebenso befanden sie, Zinnsoldat sei nichts für mich. Schließlich müsse ich dabei den ganzen Tag stillstehen und das könne ich keine fünf Minuten, ich sei ein Hans Dampf in allen Gassen. Aber Eisenbahnfahrer fand ich wiederum doof, da kann man ja nicht lenken.
So entschied ich mich dann eben, König zu werden und den Kies auf dem Garagendach zu harken. „Kies regiert die Welt“, sagte mein Papa immer. Wie so oft, kam es wieder einmal anders, denn er erwischte mich, dachte augenscheinlich an seinen Esszimmertisch und nahm mir die Krone und die Harke einfach weg. Ich solle lieber für die Schule lernen. Mich interessierten aber die längsten Flüsse und Primzahlen überhaupt nicht, ich fand dafür Anke prima und ihre langen Haare. Sie wohnte in einem von den Reihenhäusern gegenüber und gingen in die gleiche Klasse. Schon morgens schrieb ich ihr Zettelchen, zählte Gänseblümchenblätter ab und berechnete aus den gemeinsamen Vokalen unserer Vornamen die Wahrscheinlichkeit für unsere Hochzeit. Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass das alles Quatsch war, denn umgekehrt hätte eine Xerxes am besten zu mir gepasst, die ich gar nicht kannte, auch nicht aus der Parallelklasse.

Read Full Post »

Urknall

»Jetzt fang endlich an!«, sagte meine Lehrerin oft zu mir, wenn ich wieder einmal Löcher in die Luft oder aus dem Fenster starrte. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich längst begonnen hatte, diese kleinen wandernden Punkte und Fäden vor den Augen zum Stillstand zu bringen, um sie besser zählen zu können. Kaum hatte ich es dann geschafft, schlug sie mit der geballten Faust so auf den Tisch, dass dabei alles wie in einem Sturm durcheinander wirbelte und ich von vorne beginnen musste.
Eines Tages, ich war exakt bei 112.387 angelangt und hatte nur noch 2 Körnchen vor mir, flog ein Stückchen Kreide geradewegs auf mich zu. Meine so mühsam erschaffene Weltordnung geriet ins Taumeln und Trudeln, sie wackelte und wankte, sie rutschte und ruckelte und schließlich explodierte sie mit einem lauten Knall.

Und plötzlich wusste ich, dass zwischen Genie und Wahnsinn manchmal nur der Boxhieb oder der Kreidewurf eines besserwisserischen Ignoranten liegt. Oder beides.

Read Full Post »

Da soll mir noch einer erzählen, ich würde die Gelegenheiten nicht nutzen die sich mir im Leben so bieten. Das ist völliger Quatsch und sogar Bullshit, oder auf Deutsch: Ochsenpisse.

Wenn es zum Beispiel regnet, bleibe ich im Haus und überlege, was ich alles machen könnte, wenn jetzt die Sonne schiene. Das finde ich weitaus sinnvoller, als mich draußen zu grämen, dass ich klitschnass bis auf die Knochen bin und nicht weiß, wohin.
Und ist mein Kühlschrank leer wie ein Fußballstadion drei Stunden nach Abpfiff, drehe ich einfach das Birnchen heraus, so muss ich das Elend wenigstens nicht auch noch sehen. Dem Nachbarn hingegen, bei dem es so lecker aus dem Fenster riecht, bringe ich genau dann DIE Eier zurück, die mir vor mehreren Wochen geliehen hat.
Oder angenommen, ich habe tatsächlich einmal einen Strafzettel unter meinem Scheibenwischer, so bleibe ich gleich den Rest des Tages umsonst dort stehen, mache derweil in aller Seelenruhe meine Einkäufe in der Stadt, lasse mich frisieren und liften und zeige jeden dämlichen Falschparker beim Ordnungsamt an.
Und wenn wirklich wieder alle Unterhosen in der Wäsche sind und sämtliche Socken Löcher haben, dann denke ich daran, wie schön es wäre, jetzt nackt durch den Regen zu laufen.

So einfach ist das Leben, carpe diem!

Read Full Post »

So isses!

Die Tage werden schon wieder merklich dunkler und die Bäume im Garten verlieren ihr Laub. Morgens ist die Windschutzscheibe beschlagen und es dauert sicher nicht mehr lange und ich muss das erste Mal kratzen. Lebkuchen uns Spekulatiuskekse erobern bereits die Supermarktregale und ich überlege, in welchen Farben ich die Tanne wohl diesmal schmücke. Es ist Zeit, die Skianzüge aus dem Keller zu holen, die Schlittenkufen zu wachsen und den Silvesterpunsch aufzusetzen.
Am besten wird sein, ich mache das jetzt gleich und warte nicht noch länger damit.
Ich bin sonst immer zu spät dran und dann gucken die Nachbarn so komisch. Aber dieses Jahr nicht. Nicht mit mir!

Read Full Post »

Durchgangszug

Es gibt Tage, die huschen ohne Halt in Windeseile an mir vorbei, als gäbe es kein Morgen. Abends frage ich mich dann, wo sie geblieben sind.
Es gibt aber auch Tage, die bleiben schon morgens einfach liegen und schlafen aus. Erst am späten Nachmittag erwachen sie und mir wird plötzlich klar, dass ich immer noch nicht gefrühstückt habe, der Kühlschrank leer ist und die Bäckereien längst geschlossen sind. Und dann frage ich mich, warum mich keiner geweckt hat?!

Read Full Post »

Falscher Irrtum

Das Telefon schweigt schon seit Wochen und dein Geruch in meiner Welt wird immer dünner. Ich habe solche Angst, dich eines Tages nicht mehr riechen zu können und habe mir deswegen bereits vor geraumer Zeit zwei Dutzend Gefrierbeutel damit gefüllt. Doch mit jedem Moment, den ich deine Stimme nicht höre, steigt mein Verbrauch. Mein Vorrat geht langsam zu Neige und ich atme nur noch im Viertelstundentakt. Nach meinen aktuellen Berechnungen halte ich durch bis Sonntag nachmittag, dann ist Essig und mein Säure-Basen-Haushalt kippt endgültig um.
„Aus die Maus, finito, Abstieg“, höre ich den Sensenmann schon jubeln.
Aber so einfach möchte ich ihm das nicht machen, denn erst am Ende wird die Zeche geprellt, nicht zwischendurch. Bis dahin möchte ich Gefriertüten zuknoten mit dir.

Read Full Post »

Frei sein

Ich möchte frei sein wie das Gras in den Dünen, wie die Wolken am Horizont. Ich möchte mich auf einer Bank niederlassen, in den Tag träumen und die Füße von mir strecken. Die Sonne wärmt mein Gesicht und der Wind schmeckt nach Salz. Meine Gedanken können verweilen, wo sie sind, sie umhüllen mich wie eine weiche Decke.
So möchte ich gerne leben, frei wie ein Kurzdeckenbock im Frühlingsgras.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: