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Posts Tagged ‘Fußball’

Wennesma

Wenn es mal so einfach wäre, wie mein Therapeut sagt! Dann müsste ich mich nicht immer so aufregen, sondern könnte im Kopf leise bis Sieben zählen. Und schon wäre der Fußball nicht mehr durch die geschlossene Terrassentür ins Haus geflogen oder das Wasserrohr im Keller ausgerechnet während des Urlaubs geplatzt.
Wenn es mal so einfach wäre, dann würde ich essen können, was mir schmeckt und dennoch nicht zunehmen. Ich könnte mich sogar komplett fleischfrei ernähren und hätte trotzdem nicht das Gefühl, das mir etwas fehlt. Ich hockte nur im Streichelzoo herum und äße den Hasen und Ziegen den Salat weg, bis sie anfingen, mich dafür zu stupsen und zu stoßen. Dann würde ich vielleicht in meiner hungrigen Verzweiflung einen Zaunpfahl ausreißen, um damit um Hilfe zu winken und schlüge dabei aus Versehen alle Tiere tot. Ich wäre dann zwar immer noch Vegetarier, dürfte sie aber nicht essen und sie wären umsonst gestorben.
Wenn es mal so einfach wäre, dann wäre nicht alles gleich besser!

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Da soll mir noch einer erzählen, ich würde die Gelegenheiten nicht nutzen die sich mir im Leben so bieten. Das ist völliger Quatsch und sogar Bullshit, oder auf Deutsch: Ochsenpisse.

Wenn es zum Beispiel regnet, bleibe ich im Haus und überlege, was ich alles machen könnte, wenn jetzt die Sonne schiene. Das finde ich weitaus sinnvoller, als mich draußen zu grämen, dass ich klitschnass bis auf die Knochen bin und nicht weiß, wohin.
Und ist mein Kühlschrank leer wie ein Fußballstadion drei Stunden nach Abpfiff, drehe ich einfach das Birnchen heraus, so muss ich das Elend wenigstens nicht auch noch sehen. Dem Nachbarn hingegen, bei dem es so lecker aus dem Fenster riecht, bringe ich genau dann DIE Eier zurück, die mir vor mehreren Wochen geliehen hat.
Oder angenommen, ich habe tatsächlich einmal einen Strafzettel unter meinem Scheibenwischer, so bleibe ich gleich den Rest des Tages umsonst dort stehen, mache derweil in aller Seelenruhe meine Einkäufe in der Stadt, lasse mich frisieren und liften und zeige jeden dämlichen Falschparker beim Ordnungsamt an.
Und wenn wirklich wieder alle Unterhosen in der Wäsche sind und sämtliche Socken Löcher haben, dann denke ich daran, wie schön es wäre, jetzt nackt durch den Regen zu laufen.

So einfach ist das Leben, carpe diem!

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Finale

Endlich.
Das lang ersehnte ebook „Quergefönt“ gibt es hier  und die Printausgabe (ISBN-13: 978-1500368906) hier  bei amazon zu kaufen.

Ein skurriler und grotesker Roman zwischen Wahn und Witz über Freundschaft, Frauen und Fußball.

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Es geht voran

  • Was treibst du eigentlich die ganze Zeit?→ Wenn ich nicht grade in der Hüpfburg bin, dann schreibe ich kräftig an meinem ersten „echten“ Roman.
  • Wie soll er heißen?→ Nicht anders als „Quergefönt“.
  • Hast du schon einen Verlagsvertrag dafür?→ Hatte Jesus selber Nägel?
  • Wann wird er erscheinen?→ Im Frühjahr 2014. Bis zum Murmeltiertag (2. Februar) schreiben Murat und ich noch am Manuskript.
  • Worum geht es?→ Um Freundschaft und die große Liebe, Fußball und Bier.
  • Ist die Geschichte autobiografisch?→ So wahr ich Franco Bollo heiße!
  • Wer ist das denn schon wieder?→ Mein alter ego, mein neues Pseudonym und mein bester Freund.
  • Warum?→ Weil ich es so will und kann.
  • Echt?→ Vielleicht! Frag nicht so dumm!
  • Ja?→ Nein!

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Manchmal ist in meinem Kopf so wenig Platz, dass ich alles, was nicht niet- und nagelfest ist, bei eBay verkaufe, aktiv vergesse oder gnadenlos wegwerfe. Selbst Geschichten, die gestern erst geschehen sind, können heute schon Ballast sein, der mich abhält, nach vorne zu schauen und den Aufstieg auf den Olymp zu schaffen. Nur selten passiert es mir dabei, dass ich doch das eine oder andere Stückchen davon gerne wieder hätte. Aber das hat mich nie wirklich gestört, denn es ereignen sich ja täglich neue Überraschungen, die mir den Kopf zumüllen. Und deswegen finde ich es sinnvoller zu vergessen. Wo soll ich auch hin mit dem alten Rotz in meiner kleinen Einzimmerwohnung der Erinnerungen? Da müssen manche Sachen eben auf der Strecke bleiben.
Es ist wie auf einer Party: Die Gäste kommen und gehen, der Alkohol fließt in Strömen, wir rauchen Kette und reden über Fußball. In der Küche stapeln sich durchweichte Pizzakartons und braune, angetrunkene Flaschen reihen sich dichtgedrängt wie Arminiafans in der Südkurve auf dem Tisch. Irgendwann schütten wir uns daraus einen Schlummerschluck zusammen, pflücken die Zigarettenfilter aus dem trüben Gesöff, exen die Brühe und legen uns auf den Boden zum Pennen. Am nächsten Morgen dröhnt der Schädel wie ein Bohrhammer und die Knochen tun weh, als hätten wir unter einem Elefanten geschlafen. Das Bad ist für eine Woche unbewohnbar, aber zum Pissen im Stehen reicht es. Abends kommen ein paar neue Freunde zum Restetrinken und wir kotzen gemeinsam in die Regenschirmkanne.
In der Erinnerung war es trotzdem ein rundum gelungenes Fest. Ich mag es, wenn die Dinge noch eine Ordnung und Bezug zueinander haben. Ich will mich darauf verlassen können, dass Bier seit 1516 nur mit bestem Hopfen, Hefe, Malz und Wasser gebraut ist. Deswegen verdränge ich die Realität, dass es Sorten gibt, die besser im Süßwarenregal stünden und nach bunter Zuckerwatte schmecken.
„Pfui, wer so etwas trinkt, der frisst auch kleine Kinder“, sagt mein Wirt immer und ergänzt dann, nach einer kleinen andächtigen Pause: „Der letzte Schluck sollte ein Herforder sein.“
Da hat er Recht. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Pils, aber nicht an meine erste Kola.
Und das ist genau das, was ich meine: Es gibt so viele Dinge, die es sich gar nicht zu merken lohnt. Das, was ich darüber hinaus noch rauskehre, bis die Hirnstube leer ist wie ein ostdeutscher Supermarkt vor der Wende, sind unwichtige Kollateralschäden. Was gestern war, ist vorbei und kommt nicht wieder. Nur weil mich einmal der Blitz beim Scheißen im Wald getroffen hat, so hat es doch tausend Mal vorher Spaß gemacht und ich muss deswegen nicht grundlegend mein Leben ändern. Und wenn die Uhr auf Winterzeit umgestellt wird, geht zwar die Sonne eher unter, aber nicht gleich die ganze Welt. Ich habe sogar eine Stunde länger Zeit, neues Bier zu kaufen. Es spielt auch überhaupt keine Rolle, ob ich gestern irgendetwas hätte tun können. Wichtig ist einzig und allein nur, ob ich getan habe.

Das ist das ewig wiederkehrende Lied in meinem Kopf. Ich liebe es und ich hasse es, weil es mich verrückt macht. Jeden Tag schießen mir hundert Momente durch den Gedankenwald, wie es wäre, wenn ich ihr genau jetzt sagen würde, dass ich sie gerne vögeln möchte und einen Augenblick später verfluche ich mich dafür, dass ich es tat. Was geht mir das auf die Nüsse. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Kann denn niemals alles perfekt sein? Muss denn immer alles im Fluss sein? Ich will mich manchmal einfach nur hinsetzen und Zeit haben, zur Ruhe zu kommen und nachzudenken. Die Dinge sollen einmal so bleiben, wie sie sind und nichts verändert sich. Aber nein, stattdessen rast schon wieder die nächste Katastrophe mit überhöhter Geschwindigkeit die abschüssige Kurve hinab. Gerne würde ich mir sagen und es auch glauben, dass das so seine Richtigkeit hat.
Doch nur zu oft packen mich Gefühle von Zweifel und Unsicherheit. Versagensängste klopfen penetrant wie der Bofrostmann an meine Tür. Beim letzten Mal hat er mir einen überteuerten Tiefkühl- Adventskalender angedreht und mich dabei angeschaut wie Klaus Kinski. Ich konnte drei Wochen lang nur mit großem Licht schlafen und habe bei der nächsten Sitzung meine Psychologin mit einem Messer bedroht. Erschrocken meinte sie, ich solle meine Angstwut doch einmal aufmalen. Ich schnappte mir den größten Pinsel und knallte ihr ein Happening aus Rot und Schwarz schwungvoll auf die Leinwand, so dass Pollock kleinlaut um einen Praktikumsplatz bei mir gebettelt hätte. Dabei sang ich laut Dicke von Westernhagen. Ich schloss die Augen und stellte mir vor, wie ich ihre nackten Brüste mit beiden Händen anmale und ihr ein Geweih auf den knackigen Arsch pinsele. Doch die alte Eule kroch nur tiefer und tiefer in ihren Ohrensessel, blätterte in der roten Medikamentenliste und telefonierte. Als meine Musik verstummte, nahm ich mir ein Cuttermesser und schlitzte sie langsam auf. Der erste Stich durchdrang das straff gespannte Gewebe mit dem leisen Geräusch wie ein Reißverschluss, dann färbte sich die Klinge blutrot und zeichnete wie von selbst ein Satanskreuz. Ich setzte mich still davor, rauchte und betrachtete genussvoll mein Werk, bis ein Sondereinsatzkommando die Praxis stürmte und die völlig zerstörte Leinwand beschlagnahmte.

Wie lange mag das wohl her sein? Ich weiß es nicht! Vielleicht ist es auch nie geschehen, wer kann es wissen? Vergangenheit ist wie eine alte Sendung Aktenzeichen xy, unaufklärbar, ewig her und nicht mehr zu ändern. Also brauche ich mir keinen Kopf darum zu machen, was damals war oder nicht. Es reicht, wenn ich mich an meinen Namen erinnere. Zum Glück habe ich ja zwei, falls ich den einen doch einmal vergessen sollte.

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Ich gebe es zu: Ich habe Angst vor Flöten. Der Psychologe nennt das Aulophobie.

Wenn ich nur an Flöten denke, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Schon ein einziger Ton aus diesem löchrigen Langstock dringt mir bis ins Rückenmark und löst  einen optischen Tinnitus aus. Das fühlt sich an, als hätte man eine Flöte im Auge. Obendrein frieren temporäre Lähmungen meine Motorik ein, das ganze System fährt herunter. Da geht nix mehr mit meinen sonst so flüssigen und eleganten Bewegungskoordinationen, die sonst die Leute am Straßenrand in Staunen und Entzücken versetzt haben. Ich stake nur noch holzbeinig und hilflos wie der Bofrostmann im Tanzkurs herum.  Angst und Bange beschreiben die Reaktion der Umherstehenden jetzt besser und treffender.
Also meide ich alle Orte, an denen mir Flöten in irgendeiner auch nur erdenklichen Form begegnen könnten.

Ich mache einen großen Bogen um meine Küche, wo der Wasserkessel bedrohlich auf dem Herd darauf wartet, jeden Augenblick sein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert zu beginnen. Stattdessen hole ich mir lieber einen To- go- Kaffee an der lautesten Kreuzung der Stadt.

In die Kirche traue ich mich schon lange nicht mehr, seit in der Weihnachtszeit einmal eines dieser unsäglichen Flötenorchester aus völlig unmusikalischen Grundschulkindern im Zahnwechselalter die Empore fast zum Einsturz gebracht hätten. Ich kuschele mich stattdessen lieber wieder in meine Daunendecke und drehe mich noch einmal um.

Außerdem mache ich einen weiten Bogen um jede Musikalienhandlung und auch Einkaufsstraßen mit chilenischen Panflötisten kann ich nur mit aufgesetzten Kopfhören und Iron Maiden auf 110 dB passieren. Da bestelle ich doch alles lieber im Internet und lasse es mir dann nach Hause liefern. Und wehe die dumme Sau von Postbüttel klingelt.

Auch auf jeder Scheißlauffläche für Köter zucke ich sekündlich zusammmen, denn selbst die angeblich unhörbaren Hundepfeifen schrillen in meinen Ohren wie eine Schiffssirene. Ich sympatisiere daher eher mit Katzen, die kackens wenigstens in die Ecke.

Es gibt sogar ganze Orte, die kann ich nicht bereisen: Ferna zum Beispiel mit dem Flöte spielenden Stadtwappenengel oder die Windflöte bei Bielefeld. Nun, das ist sicher nicht weiter schade, aber ich kann auch keinem Spielmannszug in igendeiner anderen Stadt beiwohnen. Und selbst auf der Arbeit, sonst ein herrlich unmusikalischer Verein, sehe ich nur Blockflötengesichter.

Und so geschah es dann eines Tages, dass ich in Hameln den Rattenfänger während eines akuten Krankheitsschubes als mein Feindbild schlechthin auf offener Straße einfach erschoss. Es tut mir auch leid.

Was mir aber wirklich fehlt, das ist der Fußball. Ich kann nicht mehr ins Stadion gehen und schaue nur noch stumm die Sportschau. Das ist verdammt hart.
Wenn ich es mir so recht überlege, vielleicht sollte ich einfach drauf pfeifen.

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Alter Zopf

Irgendwann werde ich einen Zopf tragen und einen weißen Bart. Ich lerne Pfeife rauchen und Backgammon spielen. Dann sitze ich auf der kleinen Piazza im Oleander- und Pinienschatten und erzähle mir mit den anderen Vergrauten bunte Geschichten von früher, als der Papst noch Pole war und Deutschland Fußballweltmeister. Aus den Küchenfenstern um uns herum klappert Geschirr und es duftet nach Olivenöl, Tomaten und Knoblauch. Die Spatzen in den Ästen rufen zum Essen, ich habe Hunger.

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